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Kolonialgeschichte in Portugal : Die Kinder des Imperiums begehren auf

Solidarität mit „Black Lives Matter“: Teilnehmer einer Kundgebung im Juni 2020 in Lissabon recken ihre Fäuste gen Himmel. Bild: ddp

Portugal beginnt, sich mit seinem kolonialen Erbe auseinanderzusetzen. In Lissabon soll nun ein Denkmal an Sklaven erinnern.

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          Der Campo das Cebolas in Lissabon wirkt kahl und ist noch leer. Aber schon bald wird sich auf dem Platz am Ufer des Tejo eine Plantage aus 400 Zuckerrohren aus schwarzem Aluminium erheben. Sie sollen an 400 Jahre Sklaverei erinnern. Am Quai in der Nähe legen heute große Kreuzfahrtschiffe an, früher landeten am Flussufer die Sklaven; sechs Millionen Menschen bewegten die Portugiesen zwischen Afrika, Südamerika und Europa. Der Hauptstadt der einstigen Kolonialmacht mangelt es nicht an Denkmälern für Eroberer und Entdecker. Die dunkle Seite der Geschichte blieb jedoch bis heute unsichtbar. Zum ersten Mal erinnert nun das „Memorial às Pessoas Escravizadas“ an die von Portugal versklavten Menschen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die jüngere Generation der gut 370.000 afrikanischstämmigen Bürger Portugals des Landes ist politisch selbstbewusster geworden und hat die Initiative für „Plantação“ ergriffen. So heißt die Installation des angolanischen Künstlers Kiluanji Kia Henda: Die Zuckerrohrplantage symbolisiert für ihn Unterdrückung und Zwangsarbeit. „Es war die Entscheidung der Einwohner Lissabons“, sagt Beatriz Gomes Dias.

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