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Porträt : Wunderkind Kirijenko?

  • -Aktualisiert am

Kirijenko (r) und der iranische Vizepräsident Aghasadeh Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sergej Kirijenko, Leiter der russischen Atombehörde Rosatom, verhandelt bislang vergeblich mit Iran über eine gemeinsame Urananreicherung. Im Atomstreit soll er die große Wende schaffen, vor Jahren mißlang ihm unter Jelzin seine Feuertaufe als politisches Wunderkind.

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          Sergej Kirijenkos erster großer Auftritt auf der zentralen politischen Bühne Rußlands liegt Jahre zurück, aber er hat sich den Russen tief eingeprägt. Boris Jelzin, politisch damals kaum noch Herr der Lage im Land, hatte den jungen Kirijenko im April 1998 als neuen Ministerpräsidenten aus dem Hut gezaubert.

          Kirijenko war damals gerade einmal 35 Jahre alt. Der als liberaler Reformer geltende Politiker blieb auf diesem Stuhl aber nur etwa vier Monate. Am 17. August kam es zum großen Krach, der Rubel wurde um 50 Prozent abgewertet, Rußland stellte den Schuldendienst ein, mußte die Zahlungsunfähigkeit erklären.

          Panik herrschte in der Geschäftswelt, viele Firmen gingen pleite, viele Menschen wurden arbeitslos, mehr noch: Die Unfähigkeit des Staates, mit den Schwierigkeiten einer überhitzten Reformwirtschaft fertig zu werden, hatte sie regelrecht enteignet, jedenfalls diejenigen, die Geld in den Banken hatten. Am 24. April unterzeichnete Jelzin den Erlaß zur Entlassung der Regierung Kirijenko. Kirijenko dürfte damals zu den am meisten verhaßten Politikern im Land gehört haben.

          Mit Rosatom ins Scheinwerferlicht

          Die Feuertaufe als Wunderkind war schiefgegangen. Aber ein Jahr später saß Kirijenko bereits als Abgeordneter und Spitzenmann der Wirtschaftsliberalen vom „Bündnis der rechten Kräfte“ wieder in der Duma, und dieses Bündnis gehörte zumindest in der ersten Amtszeit des neuen Präsidenten Putin nicht in allen Fragen zu den eingeschworenen Gegnern des Kremls. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb Putin den noch immer jungen Mann, der einst als Ingenieur für Wassertransportwesen den Weg ins Erwachsenenalter begonnen, dann Nationalökonomie studiert hatte, erfolgreicher Geschäftsmann und schließlich erfolgreicher Gouverneur in Nischni Nowgorod gewesen war, zum Generalgouverneur an der Wolga berief.

          Im November wurde Familienvater Kirijenko, der in Suchumi geboren wurde, aber in der sowjetischen Rüstungsschmiede, der geschlossenen Stadt Gorki aufwuchs, die nun wieder Nischni Nowgorod heißt, Chef einer wichtigen Staatsbehörde. Seit November leitet Kirijenko Rosatom. Und unversehens rückte der dreifache Vater damit wieder in das grelle Scheinwerferlicht, denn dieser Behörde oblag ein wichtiger Part in dem großen Spiel, einerseits russische Interessen in Iran zu wahren und andererseits Rußland dem Westen nicht zu entfremden.

          Hängepartie

          Ein Triumph wäre es gewesen, wenn Kirijenkos Verhandlungsreise letzte Woche nach Teheran ein Erfolg gewesen wäre, wenn Iran den russischen Vorschlag, Uran in einem Gemeinschaftsunternehmen auf russischem Territorium und unter russischer Kontrolle anzureichern, angenommen hätte. Dann hätte sich Rußland der Staatengemeinschaft als erfolgreicher Vermittler präsentieren können. Hinzu kam, daß Teheran just am Wochenende ankündigte, die Russen hätten gute Chancen, weitere Kernkraftwerke in Iran zu errichten.

          Deshalb schien es am Sonntag fast so, als ob Kirijenko als politisches Wunderkind heimreisen würde. Er selbst hatte noch in Iran erklärt, daß fast alle Fragen, die mit Rußlands Vorschlag zusammenhängen, gelöst seien. Aber dann stellte sich heraus, daß Iran offenbar weiterpokert. Statt eines Durchbruchs zeichnet sich eine Hängepartie ab.

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