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Porträt Dmitrij Medwedjew : Mehr Technokrat als KGB-Mann

Putin vertraut Dmitrij Medwedjew Bild: dpa/dpaweb

Die Geschäftswelt und die liberalen politischen Kreise Moskaus haben erleichtert auf die Nachricht reagiert, daß Dmitrij Medwedjew zum neuen Stabschef im Kreml ernannt worden ist.

          Die Geschäftswelt und die liberalen politischen Kreise Moskaus haben erleichtert auf die Nachricht reagiert, daß Dmitrij Medwedjew zum neuen Stabschef im Kreml ernannt worden ist. Denn es bedeutet in ihrer Sicht, daß mit dem Rücktritt seines Vorgängers Alexander Woloschin der Sieg der Geheimdienstleute im Kreml nicht vollkommen ausgefallen ist. Der 38 Jahre alte Medwedjew kommt zwar wie Putin aus St. Petersburg, aber er ist kein Mann aus dem KGB. Im Konflikt zwischen den unternehmerfreundlichen Leuten Woloschins, die aus der Jelzin-Ära stammten, und der Geheimdienstfraktion um den ehemaligen KGB-Oberst Viktor Iwanow und Kanzleichef Igor Setschin, soll Medwedjew eine neutrale, vermittelnde Position eingenommen haben.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der in Privatrecht promovierte Jurist hatte keine politische Laufbahn angestrengt, sondern war die gesamten neunziger Jahre als Assistent und später Dozent an der juristischen Fakultät der Petersburger Universität tätig. Die hat auch Putin seinerzeit abgeschlossen. Als der heutige Präsident von 1991 bis 1995 in St. Petersburg als Vize-Bürgermeister für ausländische Investoren zuständig war, hat er immer wieder den Rat Medwedjews gesucht, der neben seiner Arbeit an der Universität als juristischer Fachmann für die Petersburger Stadtregierung arbeitete.

          Enges Vertrauensverhältnis

          In dieser Zeit wuchs ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Medwedjew und Putin, der ihn, als er Ministerpräsident wurde, zu sich nach Moskau holte. Nach der Übernahme des Präsidentenamtes von Boris Jelzin machte Putin ihn zu einem der stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration und zum Leiter seines Wahlkampfstabes. Ein Jahr später wurde Medwedjew Aufsichtsratsvorsitzender des mächtigen russischen Erdgasmonopolisten Gazprom.

          Der ruhige und etwas unscheinbar wirkende neue Stabschef, der bisher unter anderem Putins Terminkalender führte, ist kein politischer Liberaler; manche bezeichnen ihn als Technokraten. Doch gilt er gemeinhin als Verfechter marktwirtschaftlicher Reformen. Die Märkte reagierten am Freitag auf seine Ernennung positiv. Daß Putin ihm zwei andere Juristen, den 45 Jahre alten liberal geltenden Dmitrij Kosak und den in der Privatwirtschaft erfahrenen 36 Jahre alten Igor Schuwalow als Stellvertreter an die Seite gestellt hat, deutet darauf hin, daß der Präsident sich weiter auf zwei Flügel in seiner Administration stützen will - einen der Geheimdienstler und einen marktwirtschaftlichen. Ob die von der Yukos-Affäre hervorgerufenen oder verstärkten Befürchtungen, der Kreml wolle das Rad der Geschichte noch einmal zurückdrehen, zerstreut werden können, wird nicht zuletzt auch von Putins neuem Stabschef abhängen.

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