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David Miliband : Denker statt Held

Milibands Regierungslaufbahn ist jung, aber steil Bild: REUTERS

David Miliband hat sich nicht dazu überreden lassen, gegen Gordon Brown um den Labour-Vorsitz zu kandidieren. Es hätte seiner Karriere geschadet. Jetzt erntet er die Früchte seines Verzichts und wird Außenminister.

          David Miliband erntet die Früchte eines Verzichts. Vor einem Vierteljahr sah er sich vielen Aufforderungen und Ermutigungen aus dem Lager der Blair-Anhänger in der Labour Party ausgesetzt, gegen Gordon Brown um das Amt des Parteiführers zu kandidieren. Aber Miliband, Denker statt Held, ließ sich auf diese Verlockung nicht ein. Er hatte erstens Grund, Schaden für die eigene Karriere zu fürchten. Er ist zweitens mit genügend ambitionierter Nachdenklichkeit ausgestattet, um die Folgen eines Führungskampfes um das Erbe Blairs abzusehen, vor allem für die erschöpfte Partei.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Regierungslaufbahn des neuen britischen Außenministers ist jung, aber steil: Nach seiner ersten Wahl ins Unterhaus 2001 kletterte er über Positionen im Erziehungsministerium und in der Kommunalaufsicht bis auf den Posten des Umweltministers – eine Schlüsselposition in der letzten Regierung Blair, die den Kampf gegen den Klimawandel auf ihre Fahnen geschrieben hatte.

          Im Umweltministerium löste Miliband vor mehr als einem Jahr jene Kabinettskollegin Beckett ab, die damals den beliebtesten britischen Vier-Buchstaben-Fluch ins Telefon rief, als sie von ihrem Wechsel an die Spitze des Außenministeriums erfuhr. Nun, beim Abschied Blairs im Unterhaus, versank „der Felsen“ Beckett in Tränen – ihr eigenes politisches Ende womöglich vorausahnend.

          Enttäuschung eines Vertrauten

          Die politische Erfahrung Milibands reicht – anders als seine Kabinettslaufbahn – weit zurück, weiter jedenfalls, als es seinem jungenhaften Wesen auf den ersten Blick zugeschrieben würde: bis zu den Anfängen „New Labours“. Miliband war nach seinem gesellschaftswissenschaftlichen Studium in Oxford und Boston fünf Jahre lang als Politikwissenschaftler tätig, bevor Tony Blair ihn 1994, kurz nach seiner Wahl zum Parteichef, zum Leiter seines politischen Planungsteams machte. Miliband blieb in dieser Rolle für weitere Jahre und zog gemeinsam mit Blair in Downing Street Nummer zehn um.

          Das Grübeln über die Frage, wie eine zeitgenössische Linke beschaffen sein müsse, hat Miliband von seinem Vater übernommen, dem marxistischen Theoretiker Ralf Miliband, der als junger belgischer Jude 1940 über den Kanal nach Großbritannien geflohen war. Seinem jüngeren Bruder Ed begegnet David inzwischen auch im Parlament. Dieser errang 2005 einen Sitz. Beide Milibands gehören zu einer Riege jüngerer Labour-Politiker, die zuletzt den ständigen Konflikt zwischen Blair und Brown für zerstörerisch hielten und jetzt (schon um ihrer eigenen Zukunft willen) über dessen Ende erleichtert sind. Manche Namen dieser Riege finden sich in Browns Kabinettsliste, die größte Belohnung für seine politische Klugheit aber hat Miliband erhalten.

          Wie wichtig dem neuen Premierminister diese Protektion gewesen ist, zeigt sich darin, dass er die Enttäuschung eines Vertrauten, des jetzigen Labour-Fraktionsführers Jack Straw, dafür in Kauf genommen hat. Straw hatte unter Blair das Außenministerium drei Jahre geführt und wäre gerne wieder dorthin zurückgekehrt. Brown aber sichert seine Macht vorerst nach innen, außenpolitische Unerfahrenheiten nimmt er dafür momentan in Kauf.

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