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Präsidentenwahl in Kolumbien : Der Frieden spaltet das Land

Der rechte Senator Iván Duque erreichte im ersten Wahlgang gut 39 Prozent der Stimmen. Bild: dpa

Wer wird neuer Präsident in Kolumbien? Der erste Wahlgang bringt keine Entscheidung, nun geht es in die Stichwahl – und diese dürfte äußerst hitzig werden.

          Die Präsidentenwahl in Kolumbien wird am 17. Juni in einer Stichwahl entschieden. Keiner der Kandidaten erreichte bei der Wahl am Sonntag die Hälfte aller gültigen Stimmen. Der rechte Senator Iván Duque steht dem Linkspopulisten Gustavo Petro gegenüber. Duque erreichte im ersten Wahlgang gut 39 Prozent der Stimmen, Petro 25 Prozent. Der zweite Wahlgang dürfte äußerst hitzig werden. Noch nie standen sich in Kolumbien zwei Kandidaten mit derart gegensätzlichen Profilen gegenüber.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Duque, Senator der Partei „Demokratisches Zentrum“ des früheren Präsidenten Alvaro Uribe, gehört zu den vehementen Gegnern des Friedensprozesses mit der Farc-Guerilla. Er verspricht, den Friedensvertrag zu modifizieren, und gilt als ein Verfechter der harten Hand. Das bedeutet: Rückkehr zur harten Konfrontation mit aufständischen Gruppen und entschiedene Bekämpfung des Koka-Anbaus mittels Besprühungen aus der Luft. Wirtschaftlich verspricht Duque einen liberalen Kurs mit weniger Steuern, während er in gesellschaftlichen Fragen eine den evangelikalen Kirchen nahe ultrakonservative Linie vertritt.

          Petro, der in jungen Jahren der Guerillabewegung M-19 angehörte, hat seinen Versprechen vor allem auf die ärmere Bevölkerung ausgerichtet. Er steht für mehr Sozialprogramme und Investitionen in Gesundheit und Bildung. Finanzieren will er diese Versprechen mit mehr staatlicher Einflussnahme im Rohstoffabbau und höheren Steuern. Petro ist einer der schärfsten Widersacher Uribes. Als Senator untersuchte er wiederholt die Verbindungen zwischen dem früheren Präsidenten und paramilitärischen Gruppen. Petro, der zwischen 2012 und 2015 Oberbürgermeister von Bogotá war, gilt als ein politisches Phänomen. Noch nie war ein Linker in Kolumbien der Präsidentschaft so nahe.

          Der scheidende Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren.

          Die Vorteile in der Stichwahl liegen allerdings bei Duque. Kolumbien wählt tendenziell konservativ. Dafür sprechen auch die bisherigen Prognosen, die in Kolumbien jedoch mit Vorsicht zu genießen sind. Petro dürfte zwar einen Teil der Stimmen des drittplatzierten Sergio Fajardo bekommen, der als politisch eher progressiv gilt und mit 23,7 Prozent der Stimmen nur ganz knapp hinter Petro landete. Doch ob das ausreicht, ist fraglich. Die „Uribisten“ verfügen über ein großes Mobilisierungspotenzial, nicht zuletzt auch wegen ihrer Verbindungen in die traditionelle „Konservative Partei“, die im Kongress weiterhin zu den tragenden Kräften gehört.

          Die kommenden Wochen werden für Kolumbien jedoch wieder zu einem sehr spaltenden Prozess werden – ähnlich wie der Abstimmungskampf vor dem Referendum über den Friedensvertrag mit den Farc. Humberto de la Calle, der frühere Unterhändler der Regierung in den Verhandlungen mit den Farc, der ebenfalls zur Wahl angetreten, jedoch chancenlos war, brachte es in einer Aussage auf den Punkt: Früher sei es der Konflikt gewesen, der Kolumbien vereint habe. Heute sei es der Frieden, der das Land teile. 

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