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Populismus à la Bobby Kennedy : Eine Antwort auf Donald Trump

  • -Aktualisiert am

Robert Francis Kennedy im April 1967 Bild: Picture-Alliance

Die Welt erlebt einen politischen Umbruch. Da ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte wichtiger denn je. Was wir von Robert „Bobby“ Kennedy lernen können. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          „Oh, nein, nein! Tut es nicht. Hebt mich nicht auf.“ Das waren die letzten Worte von Robert Francis Kennedy, genannt „Bobby“ oder RFK, bevor der 42 Jahre alte Senator und Präsidentschaftskandidat kurz nach Mitternacht am 6. Juni 1968 in der Küche des Ambassador Hotels in ein Koma fiel. Aus ihm sollte er nicht mehr erwachen.

          Wie seinen älteren Bruder, den 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, streckten auch RFK die Kugeln eines Attentäters nieder. Eben hatte er im Ballsaals des Hotels seine Rede beendet, in der er sich bei seinen Unterstützern für den Sieg in den Vorwahlen der Demokraten in Kalifornien für den Präsidentenwahlkampf im November 1968 bedankte, als die Schüsse fielen.

          Für viele Amerikaner starb in dieser schwülen Sommernacht jedoch nicht nur RFK, sondern auch ein Teil des amerikanischen Fortschrittsglaubens und die politische Unschuld Amerikas. Es folgten: Watergate, Richard Nixon, die Intensivierung des Vietnamkrieges und die Zuspitzung des Rassenkonfliktes in den Vereinigten Staaten.

          „We can do better“

          1968 war das annus horribilis der amerikanischen Gesellschafft. Zu keinem Zeitpunkt seit Ende des Bürgerkrieges 1865 war die Gesellschaft tiefer gespalten. Der Tet-Offensive im Januar 1968, welche die Mär eines Sieges in Vietnam endgültig zertrümmerte, folgte die Ermordung Martin Luther Kings im April, welche die schlimmsten Rassenunruhen in der amerikanischen Geschichte auslöste. Schließlich die Ausschreitungen um die Democratic National Convention in Chicago im August, im Zuge welcher die Demokratie sinnbildlich vor laufender Kamera von der Staatsgewalt niedergeknüppelt wurde.

          Inmitten dieses turbulenten Zeitgeschehens avancierte Bobby Kennedy für viele Liberale zur Personifikation einer progressiven Politik, die versucht, Brücken zwischen den einzelnen Gesellschaftsschichten zu bauen. Der Senator und ehemalige Justizminister wetterte gegen Rassendiskriminierung, setzte sich für die Bürgerrechte aller Amerikaner ein und erhob den Kampf gegen die Armut zu seinem obersten Ziel.

          Kennedy kurz nach dem Attentat im Ambassador Hotel in Los Angeles Bilderstrecke

          Kennedy war während seiner früheren politischen Karriere allerdings vor allem für seine Rücksichtslosigkeit bekannt. Er galt als ein Kalter Krieger, ein Konservativer, der Joe McCarthy unterstützte, und versuchte, mit Hilfe der CIA Fidel Castro zu töten. Als Justizminister ließ er auch Martin Luther King Jr. abhören. Privat zeigte er teils homophobe und anti-semitische Tendenzen. Kennedy polarisierte.

          Laut einer 2018 veröffentlichten Studie des Politikwissenschaftlers Richard D. Kahlenberg schaffte es RFK 1968 jedoch, weiße Arbeiter, die zuvor noch für den Befürworter der Rassentrennung George Wallace gestimmt hatten, sowie schwarze Arbeiter, hispanische Wähler und die Ureinwohner Amerikas in einer Wählerkoalition zu vereinen. Bobby Kennedy tat das, indem er diesen verschiedenen Gruppen ihr gemeinsames Ziel vor Augen führte: eine inklusive Wirtschaftspolitik, mit der vor allem die Armut bekämpft werden sollte, die RFK als die eigentliche Ursache für die sozialen Unruhen im Land sah. Während des Vorwahlkampfes etwa attackierte Kennedy, der selbst Multimillionär war, mit Vehemenz die wirtschaftliche Ungleichheit in den Vereinigten Staaten und setzte sich für strengere Steuerbestimmungen und höhere Steuersätze für Großunternehmen und die Oberschicht ein. Außerdem befürwortete er die wirtschaftliche Entwicklung in den schwarzen Gettos und den unterentwickelten ländlichen Gebieten.

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