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Amerika sucht passende Antwort : Pompeo nennt Angriffe auf Saudi-Arabien „Kriegshandlung“

Mike Pompeo bei seiner Ankunft in Dschidda Bild: AFP

Während Donald Trump sich noch nicht zu den Angriffen auf saudische Ölanlagen festlegen will, spricht sein Außenminister von einer „Kriegshandlung“.

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          Mike Pompeo hatte viele Stunden Zeit, sich seine Worte zurechtzulegen. Als der amerikanische Außenminister am Mittwochabend sein Flugzeug im saudischen Dschidda verließ, nannte er die Angriffe auf die Ölanlagen in der Ostprovinz des Königreichs eine „Kriegshandlung“ und fügte hinzu: „Das war eine iranische Attacke“; sie trage den „Fingerabdruck“ Ajatollah Ali Chameneis, des geistlichen Führers des Landes.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Das State Department in Washington hatte vorher mitgeteilt, das Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman am Roten Meer diene dem Zweck, „Bemühungen zu koordinieren, der iranischen Aggression in der Region entgegenzuwirken“.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump war gerade in Kalifornien unterwegs, als er auf Pompeos Worte angesprochen wurde. Er sagte, er habe kurz zuvor mit seinem Außenminister gesprochen. Es werde sehr bald eine offizielle Erklärung seiner Regierung geben. Dann ergänzte er: Es gebe viele Optionen, Amerika sei in einer starken Position. Pompeo wollte mit dem Kronprinzen unter anderem die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse erörtern, die ihn frühzeitig veranlasst hatten, Iran für die Angriffe von Samstag verantwortlich zu machen.

          Weg der Raketen umprogrammiert?

          Amerikanische Dienste hatten Riad zuvor mit Informationen versorgt, wonach Iran Ausgangspunkt der Raketen- und Drohnenangriffe gewesen sei. Dem Königshaus reichten die vorliegenden Daten zunächst nicht, um eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen. Grundlage der amerikanischen Analyse sollen Satellitenbilder der Einschlagstellen, Radarflugspuren und Daten der Funkaufklärung gewesen sein.

          Die saudische Seite hat ihrerseits einen wichtigen Fund gemacht. Da einige der Raketen ihr Ziel verfehlten und irgendwo in der Wüste der Ostprovinz gelandet waren, ist es dem Militär gelungen, Leiterplatinen aus den Raketenteilen zu bergen. Die Raketen waren deutlich besser erhalten als jene, die ihr Ziel trafen. Die Platinen könnten Information darüber enthalten, wo genau der Abschussort der Raketen war.

          Das saudische Verteidigungsministerium präsentierte am Mittwoch jene Trümmerteile. Der Angriff sei aus dem Norden gekommen und sei fraglos von Teheran unterstützt worden, soviel sei sicher, sagte ein Ministeriumssprecher – inzwischen auf einer Linie mit den Amerikanern. Der genaue Ausgangspunkt müsse aber noch ermittelt werden. Eine der Hypothesen der amerikanischen Seite lautet nach Informationen der „New York Times“: Die Raketen seien von iranischem Boden aus gestartet, aber so programmiert worden, dass sie über irakischen Luftraum flogen, um die amerikanische Überwachung zu umgehen. Diese ist im Persischen Golf intensiver als in der irakisch-saudischen Grenzregion.

          Trump scheint in der Frage, wie er auf die mutmaßliche iranische Provokation reagieren solle, weiter mit sich zu ringen. Am Mittwoch verkündete er, er habe Finanzminister Steven Mnuchin angewiesen, die Sanktionen gegen das Land „bedeutend zu verstärken“. Zuvor hatte er die Lesart des einflussreichen republikanischen Senators Lindsey Graham zurückgewiesen, Iran habe die Entscheidung Trumps im Juni, einen Vergeltungsschlag nach einem Drohnenabschuss abzusagen, als Zeichen der Schwäche gewertet. Trump insistierte: Es sei ein Zeichen der Stärke gewesen. Graham wiederum bekräftigte, Iran müsse dafür einen Preis zahlen, es teste derzeit den Präsidenten. Der Senator hob aber hervor, ihm gehe es nicht um eine unmittelbare Reaktion, sondern um eine, die abschreckend wirke. Er finde es daher richtig, dass Pompeo, der nach seinem Stopp in Dschidda nach Abu Dhabi weiterfliegen wollte, daran arbeite, eine regionale Koalition aufzubauen.

          General Joseph Dunford, der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs in Washington, äußerte, bei einer Reaktion auf die Angriffe, die nun erörtert würde, gehe es um Optionen, welche die Saudis dabei unterstützten, sich selbst zu verteidigen und generell Abschreckung wiederherzustellen. Er legte nahe, dass das Pentagon derzeit keinen unmittelbaren Vergeltungsschlag vorbereite. Dunford: „Der Präsident hat klargestellt, dass er nicht beabsichtigt, in einen Krieg zu ziehen.“

          Die Äußerungen, die in den vergangenen Tagen von der saudischen Führung zu vernehmen waren, zeigten vor allem eines: Riad will den Konflikt mit Iran und die Eindämmung des Regimes zu einer internationalen Angelegenheit machen. Der Kronprinz erklärte den Angriff auf die Ölanlagen zu einem „echten Test“ für die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft angesichts destabilisierender iranischer Machenschaften. Die Vereinten Nationen haben eine Gruppe von Fachleuten entsandt.

          Am Dienstag hatte König Salman selbst hervorgehoben, die Attacke sei nicht nur ein Angriff auf Anlagen, die für das Königreich entscheidend seien, sondern eine auf die Ölversorgung der Welt. Das alles klingt nicht unbedingt danach, dass dem Herrscherhaus der Sinn nach Krieg steht. Riad weiß um die eigene Verwundbarkeit, und der Jemen-Feldzug hat dem hochgerüsteten saudischen Militär seine Grenzen deutlich aufgezeigt. Saudi-Arabien braucht ausländische Unterstützung, um eine glaubhafte Abschreckung gegen Teheran aufzubauen, das mit dem Angriff ein Zeichen gesetzt hat. „Aus saudischer Sicht ist es eigentlich völlig unerheblich, ob die Houthi-Rebellen den Angriff geführt haben, Milizen im Irak oder die Revolutionswächter selbst“, sagt ein Diplomat. Der Angriff habe Riad gezeigt, dass nicht nur die die Luftabwehr an ihre Grenzen geraten sei, sondern die Abschreckung im Allgemeinen.

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