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Pompeo besucht Italien : Es ging vor allem um Käse

Mike Pompeo wird anlässlich seines Besuchs in Rom ein Stück Käse überreicht. Bild: AP

Beim Italien-Besuch des amerikanischen Außenministers wird ein Stück Parmesan zum Symbol für die Folgen der Strafzölle. Neben dem Handelskrieg ist der Konflikt in Libyen ein wichtiges Thema der Gespräche.

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          Das schöne Stück Parmigiano Reggiano hat nichts genützt. Mit den Worten, dieser Parmesankäse sei „der beste Italiens“ und zudem „mit dem Herzen gemacht“, hatte am Mittwoch eine Journalistin von „Le Iene“ (Die Hyänen) dem amerikanischen Außenminister Mike Pompeo während der offiziellen Begrüßung durch Ministerpräsident Giuseppe Conte im Palazzo Chigi ein vakuumverpacktes Stück Parmesankäse in die Hand gedrückt. „Le lene“ ist die legendäre Politsatire-Show im italienischen Fernsehen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Pompeo machte gute Miene zum satirischen Spiel, lächelte artig und nahm den Käse. Behalten durfte er ihn nicht. Gastgeber Conte riss seinem Gast den Käse buchstäblich wieder aus der Hand, übergab das Corpus Delicti seinen Sicherheitsleuten und ließ die Journalistin hinauskomplimentieren.

          Der für die Regierung in Rom peinliche Zwischenfall war ein schmerzlicher Fingerzeig auf den derzeit vielleicht dicksten Stolperstein in den italienisch-amerikanischen Beziehungen: der Handelsstreit zwischen Amerika und der EU. Nach der Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) vom Mittwoch, wonach Washington wegen der illegalen Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus Strafzölle auf Waren aus der EU in einem Wert von bis zu 7,5 Milliarden Dollar erheben dürfe, trifft es auch Italien hart. Und das, obwohl Italien nur minimal am europäischen Airbus-Konsortium beteiligt ist. Neben dem Parmesan werden vom 18. Oktober an auch der Pecorino-Käse, der Parmaschinken sowie weitere landwirtschaftliche Produkte „Made in Italy“ mit einem Strafzoll von 25 Prozent Zoll belegt.

          Schon am Dienstag waren Landwirte mit Parmesankäse, Parmaschinken, Chianti-Wein und anderen Produkten zum Quirinalspalast, wo Staatspräsident Sergio Mattarella residiert, gekommen und hatten vor den potentiell katastrophalen Folgen von amerikanischen Zöllen gewarnt. Nicola Bertinelli, Präsident des nationalen Parmesan-Konsortiums, sprach von drastischen Verteuerungen: Der Preis für ein Kilogramm Parmesan im Kühlregal des Supermarktes werde von derzeit etwa 40 auf bis zu 60 Dollar steigen, sodass aus dem populären Reibekäse ein exklusives Nischenprodukt werde. Der Absatz des Hartkäses aus Italien in Amerika könnte um 80 bis 90 Prozent einbrechen, warnte Bertinelli: „Aus den 10.000 Tonnen, die heute jährlich in den Vereinigten Staaten ankommen, könnten 2000 werden. Ein unglaublicher Schaden für uns.“ Der Parmesankäse, der nicht mehr in Amerika abgenommen wird, muss andernorts verkauft werden. „Die Folge ist ein Preisverfall für uns“, klagte Bertinelli.

          Der Handelsaustausch zwischen Italien und den Vereinigten Staaten beläuft sich derzeit auf rund 90 Milliarden Euro jährlich. Ein Einbruch würde beide Seiten schwer treffen. Denn nach der erwarteten Entscheidung der WTO wegen gleichfalls illegaler Subventionen Washingtons für den amerikanischen Flugzeugbauer Boeing Anfang 2020 dürften auch die EU-Staaten Strafzölle in Milliardenhöhe auf amerikanische Produkte wie Ketchup, Whiskey oder Spielekonsolen erheben.

          Die Entscheidung der WTO vom Mittwoch kam zur Unzeit während der vier Tage dauernden Visite Pompeos in Italien. Es ist der erste Besuch Pompeos im Land seiner aus den Abruzzen stammenden Vorfahren seit seinem Wechsel von der Spitze des Auslandsgeheimdienstes CIA ins State Department vom April 2018. Italien ist ein enger Verbündeter Washingtons in der Nato. 30.000 amerikanische Soldaten und Zivilangestellte des Pentagons sowie deren Familienangehörige leben in Italien.

          Rom hofft zudem auf ein stärkeres Engagement Washingtons bei der diplomatischen Lösung des Libyen-Konflikts. Rom unterstützt die unter UN-Vermittlung eingesetzte Regierung in Tripolis unter Ministerpräsident Fajez Sarradsch, die sich seit Monaten fortgesetzter Angriffe des aufständischen Generals Chalifa Haftar ausgesetzt sieht. Dessen Truppen kontrollieren etwa 80 Prozent des libyschen Territoriums. Anfang April hatte Haftar seinen Einheiten den Vormarsch auf die Hauptstadt Tripolis befohlen, doch zuletzt war seine Offensive ins Stocken geraten. Regierungstruppen und mit Tripolis verbündete Milizen konnten jüngst sogar verlorenes Territorium zurückerobern.

          Weil sich Haftar zum obersten Bekämpfer islamistischer Terroristen in Libyen stilisiert, schien er sogar die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu genießen. Beim Treffen mit Pompeo bekräftigte der neue italienische Außenminister Luigi Di Maio die Sorge Italiens angesichts der eskalierenden Gewalt in Libyen. Denn wachsende Instabilität in Libyen bedeutet, dass sich wieder mehr Flüchtlinge und Migranten von der libyschen Küste aus auf den Weg nach Italien machen könnten. Die bevorstehende Libyen-Konferenz in Berlin im November könnte ein wichtiger Schritt sein, sagte Di Maio, aber auch ein verstärkter Einsatz Washingtons sei unerlässlich. Pompeo bekräftigte, eine politische Lösung sei die einzige Option für eine Befriedung Libyens.

          Am Mittwochvormittag kritisierte Pompeo bei einem Symposium im Vatikan jene Staaten, die die Religionsfreiheit einschränkten. Dabei nannte er China, Kuba, Iran, Myanmar und Syrien. Am Donnerstag wurde Pompeo, der ungeachtet der Herkunft seiner Vorfahren aus Italien selbst evangelikaler Protestant ist, in einer Privataudienz von Papst Franziskus empfangen. Anschließend flog er in das Städtchen Pacentro in den Abruzzen, wo Pompeos Großeltern väterlicherseits herstammen. An diesem Freitag reist Pompeo nach Montenegro und nach Nordmazedonien weiter, am Samstag schließt er seine Europareise in Griechenland ab.

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