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Brasilien : Erstmals Polizist wegen Verbrechen während der Diktatur verurteilt

  • Aktualisiert am

Frühere Militärangehörige bei einer Demonstration pro Bolsonaro Anfang Mai in Sao Paulo Bild: Reuters

Zum ersten Mal soll ein ehemaliger Offizier wegen politischer Verbrechen während der Militärdiktatur in Brasilien zur Rechenschaft gezogen werden. Der Mann war 1971 an der Entführung eines Marinesoldaten beteiligt.

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          Erstmals ist in Brasilien ein ehemaliger Polizeibeamter wegen während der Militärdiktatur verübter Verbrechen verurteilt worden. Ein Gericht in São Paulo verurteilte Carlos Alberto Augusto zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten im halboffenen Vollzug, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der pensionierte Beamte kann gegen das erstinstanzliche Urteil noch Berufung einlegen.

          Augusto war in die Entführung eines Marinesoldaten im Jahr 1971 verwickelt gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn und andere Verdächtige bereits 2012 angeklagt. Es sei das erste Mal, dass ein ehemaliger Offizier der Militärdiktatur wegen politischer Verbrechen zu Rechenschaft gezogen werde, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Behörde hatte in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben über 50 Strafverfahren eingeleitet, die entweder abgelehnt oder von Gerichten blockiert wurden.

          Die Militärdiktatur in Brasilien dauerte von 1964 bis 1985. Nach dem Bericht der nationalen Wahrheitskommission wurden während der Diktatur mehr als 400 Menschen ermordet und Tausende gefoltert. Viele gingen ins Exil oder in den Untergrund. Eine wirkliche Aufarbeitung ga es bis heute nicht. Der amtierende Präsident und Hauptmann der Reserve Jair Bolsonaro hat immer wieder Sympathien für die Militärdiktatur geäußert.

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