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Amerika : Polizei schießt auf 13 Jahre alten autistischen Jungen

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Protestdemonstration gegen Polizeigewalt am Dienstag in Rochester im Bundesstaat New York Bild: AFP

Mit mehreren Schüssen haben Polizisten in Salt Lake City einen 13 Jahre alten Autisten schwer verletzt. Seine Mutter hatte die Beamten zur Hilfe gerufen, weil er Angstzustände gehabt habe. Nun wird die Polizei heftig kritisiert.

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          Die Polizei in der amerikanischen Stadt Salt Lake City sieht sich harter Kritik ausgesetzt, nachdem sie einen psychisch instabilen 13 Jahre alten Jungen mit mehreren Schüssen schwer verletzt hat. Die Mutter des Jungen hatte die Beamten selbst zur Hilfe gerufen, wie sie dem Lokalsender KUTV sagte. Der Junge mit Asperger-Syndrom habe Angstzustände bekommen, weil er allein zuhause geblieben sei, während sie zum ersten Mal seit rund einem Jahr wieder zur Arbeit gegangen sei. Der Polizei habe sie per Notruf geschildert, dass ihr autistischer Sohn unbewaffnet sei und nur deshalb schreie, weil er Aufmerksamkeit wolle und seine Emotionen nicht kontrollieren könne.

          Ein Sprecher der Polizei von Salt Lake City im Bundesstaat Utah verwies auf Berichte über einen Jugendlichen, der Personen mit einer Waffe bedroht habe. Als der Junge die Anweisungen eines Beamten nicht befolgt habe und weggelaufen sei, habe der Polizist geschossen. Eine Waffe sei bei dem Jugendlichen nicht gefunden worden.

          Der Vorfall ereignete sich am Freitag vergangener Woche, wurde aber erst durch Medienberichte vom Dienstag einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. „Er ist ein kleines Kind. Warum haben sie ihn nicht einfach gepackt?“, sagte die Mutter unter Tränen dem Fernsehsender. Von der Polizei sei zu erwarten, dass sie in einer solche Situation deeskaliere und so wenig Gewalt wie möglich anwende.

          Bürgermeisterin Erin Mendenhall forderte eine rasche und transparente Untersuchung. Die Vereinigung Neurodiverse Utah, die sich für Akzeptanz von Autismus einsetzt, kritisierte, dass die Polizei zur Hilfe gerufen worden sei und stattdessen mehr Schaden angerichtet habe. Die Schlussfolgerung sei wohl, dass man nie die Polizei bei psychischen Krisen anrufen solle.

          Tod eines Festgenommenen in Rochester

          In der Stadt Rochester im Bundesstaat New York ist unterdessen der Polizeichef wegen des Todes eines Festgenommenen zurückgetreten. La'Ron Singletary werde seinen Posten zum Monatsende räumen, sagte Bürgermeisterin Lovely Warren am Dienstag (Ortszeit) in einer Pressekonferenz. Dort war infolge eines brutalen Polizeieinsatzes ein Mann gestorben, der unter Drogeneinfluss nackt auf der Straße gelaufen war. Details zu dem Polizeieinsatz im März waren erst vergangene Woche bekanntgeworden, nachdem die Familie des Verstorbenen Aufnahmen von Polizeikameras veröffentlicht hatte. Darin ist zu sehen, wie mehrere Polizisten einen nackten Mann auf der Straße festnehmen, der sichtlich unter Drogeneinfluss steht. Sie ziehen dem 41 Jahre alten Mann eine Art Kapuze über, die sie davor schützen soll, angespuckt zu werden, und drücken seinen Kopf auf den Asphalt. Eine Woche später starb der Mann im Krankenhaus.

          Sieben Polizisten wurden nach Veröffentlichung des Videos suspendiert. Am Wochenende hatte es am Rande von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt auch Krawalle in Rochester gegeben.

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