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Polizeigewalt in Amerika : Die nie endende Schlagzeile

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„Black Lives Matter“: Immer wieder protestieren Amerikaner unter diesem Motto gegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Bild: dpa

Die Spirale der Gewalt dreht sich in Amerika immer schneller: Immer wieder kommt es zu Übergriffen und tödlichen Schüssen zwischen Polizei und Verdächtigen, meist trifft es Schwarze. Eine Übersicht über die vergangenen zwei Jahre.

          Eigentlich wollten sie in Dallas gegen Rassismus demonstrieren, gegen Polizeigewalt gegen Schwarze, und das auf friedliche Art und Weise. Dann fallen plötzlich Schüsse, vier Polizisten und ein Mitarbeiter einer Verkehrsgesellschaft sterben. Die Demonstration gegen Polizeigewalt wird zum Schauplatz von Gewalt gegen Polizisten. Wer genau aus welchen Motiven geschossen hat, steht noch nicht fest. Aber die Ereignisse stehen schon jetzt für ein zunehmend angespanntes und gewaltbereites Klima, das sich zwischen Schwarzen und Weißen in der amerikanischen Gesellschaft ausbreitet.

          Auslöser der Proteste in Dallas und anderen amerikanischen Städten war der Tod zweier Afroamerikanern durch Polizeischüsse in weniger als 48 Stunden. Die Ereignisse sind keine Einzelfälle: 990 Menschen wurden 2015 von amerikanischen Polizisten getötet, berichtet die amerikanische Zeitung „Washington Post“. Und auch in diesem Jahr reißt die Gewalt nicht ab, 509 Amerikaner sind es bisher, die durch Handlungen der Polizei zu Tode gekommen sind. 123 von ihnen sind Afroamerikaner, das sind 24 Prozent aller Fälle. Dabei machen sie nur etwa 13 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

          Es ist eine traurige Tradition geworden, dass alle paar Wochen – oder Stunden, wie die vergangenen Tage gezeigt haben – ein neuer Fall von Polizeigewalt gegen Schwarze in Amerika hochkocht. Die Proteste unter dem Banner „Black Lives Matter“ hören nicht auf, werden zunehmend frustrierter – und auch gewalttätiger. Ins Leben gerufen wurde der Slogan vor zwei Jahren, als die Fälle Eric Garner und Michael Brown das Thema in den Fokus des amerikanischen Bewusstseins rückten.

          6. und 7. Juli 2016. Innerhalb von 48 Stunden sterben zwei Afroamerikaner durch Polizeigewalt. In der Stadt Falcon Heights im Bundesstaat Minnesota stirbt ein 32 Jahre alter Mann im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle mehrfach auf ihn geschossen hatte. Seine Freundin streamt die Tat live auf Facebook, sagt in dem Video, ihr Freund habe lediglich nach seinem Geldbeutel gegriffen. Nur einen Tag zuvor hatten zwei Beamte in Baton Rouge im Bundesstaat Louisiana einen 37 Jahre alten Mann auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

          25. Dezember 2015. In Chicago erschießen Polizisten zwei Afroamerikaner. Die Mutter eines Studenten hatte wegen des aggressiven Verhaltens ihres Sohnes die Polizei gerufen. Als die eintrifft, erschießen die Beamten neben dem Sohn auch noch aus Versehen eine Nachbarin, eine fünffache Mutter.

          12. April 2015. In West Baltimore im Bundesstaat Maryland fällt der Polizei bei einer Patrouille der Afroamerikaner Freddie Gray auf, er rennt weg, sie verfolgen ihn und nehmen ihn brutal in Gewahrsam. Später stirbt Gray an den Folgen seiner Verletzungen. Es kommt in Baltimore zu schweren Krawallen, der Ausnahmezustand wird ausgerufen und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

          4. April 2015. In der Stadt North Charleston im Bundesstaat South Carolina hält ein weißer Polizist bei einer Verkehrskontrolle den Afroamerikaner Walter Scott an, weil an dem Wagen ein Bremslicht defekt ist. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, der unbewaffnete Scott versucht zu fliehen. Daraufhin erschießt ihn der Polizist. Er habe sich von dem 50 Jahre alten Familienvater bedroht gefühlt und in „Todesangst“ gehandelt, sagt er.

          Von der Flucht und den Schüssen gibt es ein Video, dass ein Passant aufgenommen hat. Die Bilder gehen um die Welt. Der Polizei wird wegen Mordes angeklagt.

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