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Nach Vergewaltigung in Indien : Ein willkommener Fall von Notwehr

Menschen versammeln sich am Freitag im Bundesstaat Telangana an dem Ort, an dem die Polizei die vier Männer erschossen hat. Bild: Reuters

Bei einem „Gefecht“ erschießt die Polizei in Indien vier mutmaßliche Vergewaltiger. Zuvor war der Ruf nach Lynchjustiz laut geworden.

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          Unter denjenigen, die nach Lynchjustiz und Zwangskastration gerufen hatten, nachdem eine Tierärztin in Indien brutal vergewaltigt und umgebracht worden war, machten sich am Freitag Genugtuung und Freude breit. Denn da wurde bekannt, dass die vier mutmaßlichen Täter am frühen Morgen bei einem Anschauungstermin am Tatort getötet worden waren – von der Polizei. Indischen Medienberichten zufolge hatten sie versucht, die Polizisten zu attackieren. Angeblich waren sie in den Besitz von zwei Pistolen gelangt. In dem darauffolgenden „Gefecht“ seien sie von den Beamten „in Notwehr“ erschossen worden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In den sozialen Netzwerken wurden die Polizisten am Freitag von vielen als Helden gefeiert. Polizisten, die den Tatort bewachten, wurden mit Blütenblättern bestreut und von einer Menschenmenge bejubelt. Der Vater des Vergewaltigungsopfers sagte laut der Agentur ANI: „Ich spreche der Polizei und der Regierung meine Dankbarkeit dafür aus. Die Seele meiner Tochter kann jetzt in Frieden ruhen.“ Die vier Männer, zwei Lastwagenfahrer und zwei Reinigungskräfte, die zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein sollen, waren der Darstellung nach in den frühen Morgenstunden gegen 3.30 Uhr an den mutmaßlichen Tatort gebracht worden. Dort sollen sie die 27 Jahre alte Frau vor einer Woche vergewaltigt haben. Die Leiche der Frau war später verbrannt gefunden worden. Nicht nur in Indien sind solche Tatortbesichtigungen üblich, bei denen die Beschuldigten vor Ort Angaben über den Tathergang machen sollen. Mit dem extrem frühen Termin wollte die Polizei offenbar Proteste und Übergriffe aufgebrachter Bürger verhindern.

          Der Vergewaltigungsfall hatte landesweit Aufregung hervorgerufen. Das lag an der Brutalität der Tat. Es lag aber auch daran, dass in Indien nach Meinung vieler noch immer nicht genug für die Sicherheit von Frauen getan wird. Die Demonstrationen seit der vergangenen Woche gehörten zu den größten dieser Art seit der brutalen Gruppenvergewaltigung und Ermordung einer Studentin in einem Bus in Delhi im Jahr 2012. Seitdem hat sich den Demonstranten zufolge nicht viel geändert. Die vielfachen Rufe nach Lynchjustiz haben aber auch Kritik von liberalen Politikern und Aktivisten hervorgerufen. Sie stellten sich auch grundsätzlich gegen die Verhängung der Todesstrafe auf Vergewaltigungs- und Tötungsverbrechen, die nach dem damaligen Fall eingeführt worden war.

          Nach der Erschießung der mutmaßlichen Täter am Freitag äußerten diese Kritiker Zweifel an der Version der Polizei. Sie fürchten, dass die Polizisten das Gesetz selbst in die Hand genommen oder den Zwischenfall zumindest provoziert haben könnten. Die Journalistin Smita Sharma nannte den Vorfall einen „totalen Zusammenbruch unserer Strafjustiz“. Der Anwalt und Menschenrechtler Utsav Bains schrieb auf Twitter: „Polizeigefechte sind nicht die Lösung, das wäre nur eine Reform des Strafrechtssystems. Nun werden wir niemals herausfinden, wer wirklich das Opfer in Hyderabad vergewaltigt und getötet hat.“ Aus manchen sprach ein tiefer Frust über das mangelnde Rechtsstaatsbewusstsein in Indien: „Wir werden heute ein blutdürstiges Indien erleben, das in Freude ausbricht, in den sozialen Medien feiert und unserer schäbigen Strafverfolgung den Daumen nach oben zeigt“, schrieb der Journalist Jency Jacob.

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