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Politskandal in China : Prozess gegen Vertrauten Bo Xilais

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Bo Xilai und Wang Lijun im Janaur 2012. Über Lijuns Rolle bei der Vertuschung des Mordes an Heywood gibt es widersprüchliche Aussagen. Bild: REUTERS

Wang Lijun, der ehemalige Polizeichef der Millionenstadt Chongqing, soll versucht haben, die Ermordung des Briten Neil Heywood zu vertuschen. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen ihn. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

          Im Politskandal um die Ermordung des britischen Geschäftsmannes Neil Heywood wird in der nächsten Woche eine zweite Gerichtsverhandlung eröffnet. Nachdem vor einem Monat Gu Kailai, die Frau des chinesischen Politikers Bo Xilai, wegen Mordes an Heywood im vergangenen November zum Tod auf Bewährung verurteilt worden war, wird am Dienstag in der zentralchinesischen Stadt Chengdu der Prozess gegen Wang Lijun, den früheren Polizeichef von Chongqing, eröffnet. Das gab ein Sprecher des Gerichts am Freitag bekannt.

          Wang Lijun hatte mit seiner Flucht in das amerikanische Konsulat von Chengdu am 6. Februar den Mord an Heywood bekannt gemacht, der bis dahin vertuscht worden war. Jetzt wird Wang Landesverrat, Machtmissbrauch und Bestechlichkeit vorgeworfen. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Ob mit dem Prozess der Fall Heywood ganz aufgeklärt werden wird, ist fraglich. Die kurze Verhandlung gegen Frau Gu Kailai hatte viele Fragen offen gelassen. Es wäre eine Überraschung, wenn die Verhandlung gegen Wang Lijun Näheres über eine etwaige Verwicklung von Bo Xilai zutage bringen würde. Bo Xilai wurde nach der Flucht Wangs entmachtet und steht seitdem unter Hausarrest. Ihm werden Verstöße gegen die Parteidisziplin vorgeworfen. Anklage wurde gegen ihn bislang aber nicht erhoben.

          Widersprüchliche Aussagen

          Wang Lijun war Polizeichef und stellvertretender Bürgermeister von Chongqing, ein enger Vertrauter von Bo Xilai. Er hatte dessen Säuberungspolitik in Chongqing ausgeführt. Über seine Rolle in der Vertuschung des Mordes an Heywood gibt es widersprüchliche Aussagen. Wang Lijun wusste, dass Gu Kailai Heywood ermordet hat, aber bisher wurde nicht geklärt, wann er das erfuhr. Es heißt, er habe Bo Xilai mit den Fakten konfrontiert und sei dann aus Angst um seine Sicherheit in das amerikanische Konsulat geflohen, um dort Asyl zu beantragen. Den Diplomaten habe er Beweise über die Verstrickung von Gu Kailai und möglicherweise auch Bo Xilai vorgelegt.

          Im Prozess gegen Frau Gu hieß es dann allerdings, Wang Lijun sei ursprünglich sogar an dem Mordkomplott gegen Heywood beteiligt gewesen. Im vergangenen Monat waren drei Chongqinger Polizisten, die im Rang unter Wang Lijun stehen, wegen Vertuschung des Falles zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Verhandlungen gegen Frau Gu und die Polizisten dauerten jeweils nur einen Tag.

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