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Politologe über Macron : „Die Debatte ohne Hochmut führen“

Proteste vor dem Arc de Triomphe: Die Gelbwesten erobern Frankreichs Straßen. Bild: AP

Was die Gelbwesten in Frankreich zeigen, lässt sich auf ganz Europa übertragen: Der Politologe Wolfgang Merkel über das entzauberte Phänomen Macron, den Frust der Abgehängten in Europa und die Versäumnisse der Eliten.

          5 Min.

          Herr Merkel, Emmanuel Macron wurde als neuer Politikertypus bewundert: ein Charismatiker, der an den etablierten, aber angeschlagenen Parteien vorbei eine Bewegung startet. Zeigt Macrons jetzige Lage, wie anfällig diese Art von Politik für Stimmungsschwankungen ist?

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Auf jeden Fall. Was wir bei Macron gesehen haben, kann man etwas verkürzt als einen Populismus der Mitte bezeichnen. Er hat sich zwar nicht mit den politischen Inhalten auf die rechte Seite begeben, aber er hat etwas gemacht, was Rechtspopulisten sehr viel wert ist in diesen Zeiten, nämlich die Organisation der etablierten Parteien diskreditiert. Er hat sich als die Spitze einer Bewegung dargestellt und hat dabei innerhalb der Bewegung selbst Demokratiegebote missachtet, indem er etwa die Kandidaten für die Nationalversammlung selbst ausgewählt hat. Diese Art der Zustimmungsgewinnung ist hochgradig verwundbar, weil sie sich nicht stark auf organisatorisch-gesellschaftliche Machtverwurzelung stützt, sondern auf Augenblickscharisma. Und das ist anfällig.

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