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Politiker verlässt Zeremonie : Eklat bei Erdogan-Aufritt  in der Türkei

  • Aktualisiert am

Wutentbrannt verließ Erdogan nach der offenen Kritik an seinem Regierungsstil die Veranstaltung Bild: AP

Mit einer regierungskritischen Rede hat der Vorsitzende der türkischen Anwaltskammer in Ankara für einen Eklat gesorgt. Nachdem er Ministerpräsident Erdogan einen selbstherrlichen Regierungsstil vorgeworfen hatte, verließ dieser wutentbrannt den Saal.

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          Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat am Samstag wutentbrannt eine Veranstaltung verlassen, nachdem ihm von einem Redner ein zunehmend selbstherrlicher Regierungsstil vorgeworfen worden war. Bei einer  live im Fernsehen übertragenen Zeremonie erhob sich Erdogan  plötzlich von seinem Platz in der ersten Reihe und warf dem  Präsidenten der Anwaltskammer TBB, Metin Feyzioglu, vor, eine  respektlose Rede voller Lügen zu halten. Darauf verließ er mit  seinem Gefolge den Saal.

          „Du bist unverschämt. Du lässt es an Respekt mangeln. Dies ist eine  völlig politische Rede voller Lügen“, sagte Erdogan mit lauter  Stimme. An der Zeremonie zum Jahrestag der Gründung des  Verfassungsrats nahm auch Staatspräsident Abdullah Gül teil, der  sein Erstaunen über den Wutausbruch seines Parteifreunds zeigte.

          „Zunehmender Autoritarismus“

          Feyzioglu hatte Erdogan zuvor „zunehmenden Autoritarismus“  vorgeworfen. Er nahm die Vorwürfe des Regierungschefs ungerührt hin  und sagte anschließend unter Applaus eines Teils des Publikums, er  habe eine „konstruktive und verfassungsmäßige Rede“ gehalten, die keineswegs „anstößig“ gewesen sei.

          Feyzioglu ist ein Rechtsprofessor, der für seine scharfe Kritik an  der islamisch-konservativen Regierung Erdogans bekannt ist, die  seit Monaten wegen einer Korruptionsaffäre unter Druck steht. Wie  andere Kritiker auch wirft Feyzioglu dem Ministerpräsidenten die  Unterdrückung abweichender Meinungen vor. Erdogan regiert oft  sensibel auf Kritik. Als Bundespräsident Joachim Gauck bei einem  Besuch Ende April vor Gefahren für die Demokratie durch Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit sowie Eingriffe in die Gewaltenteilung warnte, wies Erdogan die Kritik scharf zurück.

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