https://www.faz.net/-gpf-7szyn

Politik und Fußball auf der Krim : Heimspiel am Brustwehr

„Glückwunsch zur Rückkehr in den Heimathafen!“ steht auf einer Hauswand in Sewastopol. Bild: Alexander Kadnikov

Der Anschluss der Krim an Russland wurde nun auch fußballerisch vollzogen. Die Schwierigkeiten im Sport sagen viel über Putins Herrschaftssystem.

          8 Min.

          Im Pressezentrum des früheren ukrainischen Fußballklubs FK Sewastopol, der nun der russische Fußballverein SKChF Sewastopol sein soll, hängen noch die Fanschals der einstigen Rivalen, die bis vor kurzem hier zu Gast waren. Metalist Charkiw. Schachtjor Donezk. Dynamo Kiew. Zarja Luhansk. Klangvolle Namen aus einer anderen Zeit. An der Wand gegenüber hängen, etwas versteckt zwischen Fanschals von Bayern München oder dem FC Liverpool, auch einige von russischen Mannschaften wie ZSKA Moskau und Zenit Sankt Petersburg. Vielleicht kommen auch die eines Tages her und müssen sich mit SKChF in einer Liga messen. Eines fernen Tages, wenn Sewastopol, das bis zu diesem Frühjahr in der ersten ukrainischen Liga spielte, aus der dritten russischen Liga aufgestiegen ist.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Im Stadion wurden zum Ligadebüt gegen Tawrija Simferopol Krim an diesem warmen Sommerabend, Anpfiff 20 Uhr, viele russische Fahnen aufgehängt. Gut fünf Monate nachdem die Krim und Sewastopol zu „Subjekten“ der Russischen Föderation mit den Nummern 84 und 85 erklärt wurden, wird der Anschluss auch fußballerisch vollzogen. So steht die Geschichte des SKChF Sewastopol und der anderen Vereine von der Krim auch für Präsident Wladimir Putins Politik – und sie erklärt, wie in Russland Entscheidungen getroffen werden. Ganz besonders in einer Krise, in welcher der Fußball nur ein Nebenschauplatz des Ringens mit der Ukraine und dem Westen ist.

          Neues Geld muss her

          Schon das „SKChF“ ist eine Wette auf die Zukunft. Die Abkürzung könnte für „Sportklub der Schwarzmeerflotte“ stehen. In den sechziger Jahren hieß ein Vorgängerverein tatsächlich so. Der Verein hofft auf die finanzielle Unterstützung durch die Flotte, auf ein Sponsoring durch den Stolz und den bedeutendsten Arbeitgeber der Stadt. Aber noch sei man „in Gesprächen“, sagt der Präsident des alten und des neuen Klubs, Alexander Krassilnikow, ein drahtiger Mann im weißen Polohemd mit dem Vereinswappen auf der Brust, der sein Geld als Tankstellenunternehmer gemacht hat. Nun muss aber neues Geld her. Besonders in dieser Phase, in der allerlei Unwägbarkeiten dem sportlichen Erfolg im Weg stehen.

          Die Fans des SKChF Sewastopol beim ersten (Heim)spiel in der russischen Liga
          Die Fans des SKChF Sewastopol beim ersten (Heim)spiel in der russischen Liga : Bild: Alexander Kadnikov

          SKChF Sewastopol, Tawrija Simferopol Krim und Schemtschuschina Jalta wurden erst Anfang des Monats von der Exekutive des Russischen Fußball-Union RFU in das russische Ligasystem aufgenommen. Sie spielen nun in der südlichen der in vier Regionalligen unterteilten dritthöchsten russischen Spielklasse, der sogenannten Zweiten Division. Die Regionalliga Süd hatte eigens ihren Saisonauftakt verschoben. Denn für einen Verbandswechsel ist das Einverständnis von Fifa und Uefa und der beteiligten Verbände erforderlich. Die Ukrainer aber sind mit dem Wechsel ganz und gar nicht einverstanden, haben dagegen protestiert. Die RFU hat sich nun damit beholfen, dass der Wechsel aus russischer Sicht keiner ist: Die Klubs sind neu gegründet worden, einschließlich Umbenennung. Tawrija Simferopol Krim hieß bisher schlicht Tawrija Simferopol. Jalta hat seinen Namen behalten, der Verein spielte vorher nicht einer vom ukrainischen Fußballverband ausgerichteten Meisterschaft.

          Und der Regelwirrwarr geht weiter: Weil der ukrainische Fußballverband die Spielerpässe der bisherigen Fußballer von Sewastopol und Simferopol nicht herausgibt, dürfen sie in der neuen, russischen Liga nicht auflaufen. Denn für diese gelten sie weiterhin, selbst wenn sie russische Staatsbürger sind, als ausländische Spieler. Und deren Einsatz ist in der Regionalliga verboten.

          Weitere Themen

          Neues Ermittlungsverfahren gegen Nawalny Video-Seite öffnen

          Russland : Neues Ermittlungsverfahren gegen Nawalny

          Russland verschärft das Vorgehen gegen den aktuell inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Ihm wird vorgeworfen, Anführer einer extremistischen Organisation zu sein.

          Topmeldungen

          Hatte einmal mehr keinen leichten Tag: Armin Laschet

          Laschet und die Union : Machtprobe

          Ein turbulenter Tag für die Union: CSU-Chef Söder spricht Scholz die besten Chancen aufs Kanzleramt zu – und Laschet verhindert eine Kampfkandidatur in der Fraktion.
          Torschütze des Abends: Donyell Malen

          1:0 gegen Lissabon : Schwerfälliger BVB gewinnt

          Ohne Haaland kein Spektakel: Gegen Sporting Lissabon reicht es für Borussia Dortmund aber dennoch zum Sieg, weil 30-Millionen-Neuzugang Malen erstmals im BVB-Trikot trifft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.