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Nach erstem Wahlgang : Komiker Selenskyj führt bei Präsidentenwahl in Ukraine

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Könnte bald neuer ukrainischer Präsident sein: Schauspieler und Politik-Neuling Wolodymyr Selenskyj. Bild: Reuters

Politik-Neuling Wolodymyr Selenskyj hat laut Nachwahlbefragungen den ersten Wahlgang der ukrainischen Präsidentenwahl gewonnen. In der Stichwahl am Ostersonntag muss er gegen Amtsinhaber Poroschenko antreten.

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          Der Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyj hat die erste Runde der Präsidentenwahlen in der Ukraine gewonnen. Der politische Neuling erhielt laut Nachwahlbefragungen 30,4 Prozent der Stimmen. Der Amtsinhaber Petro Poroschenko landete mit 17,8 Prozent auf Platz zwei. Damit müssen beide am 21. April in die Stichwahl. Die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko schied mit 14,2 Prozent aus.

          Bis zum späten Nachmittag wurden während des Wahlvorgangs keine ernsten Zwischenfälle gemeldet. Der Stab Selenskyjs teilte allerdings mit, wegen Unregelmäßigkeiten in Wahllokalen mehr als 4000 Klagen von Bürgern erhalten zu haben.

          Landesweit hohe Sicherheitsvorkehrungen

          Die etwa 30 Millionen Wahlberechtigten konnten unter 39 Kandidaten wählen. So viele Bewerber gab es noch nie bei einer Abstimmung über den mächtigsten Posten in dem Land. Die von Russland unterstützten abtrünnigen Regionen Donezk und Luhansk im Kriegsgebiet Donbass nahmen nicht an der Abstimmung teil. Die Sicherheitsvorkehrungen waren landesweit hoch. Zehntausende Einsatzkräfte waren abgestellt, um Zwischenfälle zu verhindern.

          Selenskyj selbst sieht sich auf einem guten Weg ins mächtigste Amt des in die EU strebenden Landes. „Das ist nur der erste Schritt zum großen Erfolg“, sagte der 41-Jährige am Sonntag in Kiew nach Schließung der Wahllokale. Er dankte seinen Wählern. Es gebe viele Prognosen – „aber überall nur einen Sieger“, sagte Selenskyj und fügte an, dass er als unabhängiger Kandidat weitermachen wolle: „Wir wollen uns mit niemandem zusammentun und haben keine Verhandlungen dazu geführt“, sagte er. Insgesamt waren 39 Kandidaten angetreten - so viele wie noch nie bei einer Präsidentenwahl in der Ukraine.

          Unterdessen hat sich Petro Poroschenko trotz seines massiven Stimmenverlusts siegessicher für den zweiten Durchgang in drei Wochen gezeigt. „Sie werden weiter mit Poroschenko arbeiten müssen“, sagte der Amtsinhaber in Kiew. Zugleich reagierte er auf den herben Stimmenverlust und nannte ihn eine „harte Lehre“. Er habe „klar das Signal der Gesellschaft vernommen.“ Trotz des Einzugs in die Stichwahl verspüre er keinerlei Euphorie, sagte Poroschenko. Bei der vergangenen Abstimmung vor fünf Jahren hatte er noch im ersten Wahlgang mit etwa 55 Prozent gewonnen.

          Der Urnengang galt als großer Stimmungstest nach den pro-europäischen Protesten auf dem Majdan, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, vor fünf Jahren. Der Aufstand, bei dem mehr als 100 Menschen starben, führte 2014 zum Machtwechsel.

          Damals hatte der Unternehmer Poroschenko nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch im ersten Wahlgang mit rund 55 Prozent der Stimmen gewonnen. Viele Menschen werfen Poroschenko heute vor, den Krieg im Osten nicht beendet und mit seiner Politik die Armut noch verschärft zu haben. Rund 13.000 Menschen sind seit Beginn des Konflikts im Kriegsgebiet Donbass gestorben.

          Poroschenko versprach, nach der Wiederwahl die abtrünnigen Gebiete Donezk und Luhansk sowie die von Russland annektierte Halbinsel Krim zurückzuholen. Deshalb wolle er vor der Stichwahl am 21. April einen „harten Dialog“ mit denen führen, die er nicht überzeugen konnte. Besonders mit jungen Menschen wolle er reden. „Sie sehen Änderungen im Land, aber Sie möchten dass diese schneller, tiefer und qualitativer sein werden“, sagte Poroschenko.

          Zehntausende Demonstranten versammeln sich im November 2013 in Kiew und fordern, dass die ukrainische Regierung sich für ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union einsetzt. Öffnen

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