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Polen vor der EM : Glaube, Aufschwung, Schweineschnitzel

Die Landstraße als Lehrbuch: Werbeschilder und Staus künden von den Veränderungen der vergangenen zwanzig Jahre Bild: Lüdecke, Matthias

Die Landstraße Zwei erzählt die Geschichte von der Hoffnung und der Härte eines Landes im Aufbruch. Wenn bald das letzte Teilstück der Autobahn A 2 fertiggestellt wird, verändert das in Polen mehr als nur eine Verkehrsverbindung.

          7 Min.

          Die alte Landstraße Zwei beginnt, wo Deutschland aufhört. Holprig und staubig, geflickt und wieder geflickt, führt sie von der Grenze ostwärts, durch graue Provinzstädte und versprengte Flecken, vorbei an den Plattenquartieren von Posen, dem polnischen Poznan, wo sich nur kurz die Doppeltürme des Doms gezeigt haben, um gegen Abend dann hineinzuführen in die Ebene Masowiens, immer auf die Hauptstadt Warschau zu, deren Lichtschein den Fahrer durch die letzte Stunde leitet.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Straße ist schlecht. Im Sommer haben ungezählte ukrainische, litauische, polnische, deutsche, russische und weißrussische Lastwagen tiefe Rillen in den heißen Asphalt gegraben, im Winter ist Wasser eingedrungen, Frost hat den Belag in bröselige Schollen zerlegt. Lange, zersiedelte Dörfer ziehen sich dahin. Geduckte Häuser, Tankstellen, Baumärkte beben im Takt der Lastwagen, hinter deren Auspuffen die Opels, Renaults und VW Polos des polnischen Wirtschaftswunders eng an eng auf ihre Chance zum Überholen warten.

          Das Bild der Landstraße Zwei, der alten „Dwójka“, mit ihrer Endlosigkeit, ist lange der Eindruck gewesen, der sich am tiefsten eingrub, wenn man von Berlin ostwärts die 592 Kilometer nach Warschau fuhr. Acht Stunden konnte diese Fahrt in die Tiefe Ostmitteleuropas dauern, manchmal auch zehn, und ab der Grenze (außer auf einem kurzen Autobahnstück bei Posen) fast immer auf zwei Spuren mit Gegenverkehr, stets verstopft von ukrainischen Lastwagen.

          Zeichen einer Wandlung

          Dann aber hat sich die Autobahn Jahr um Jahr ein wenig gestreckt. Wer das Flugzeug nahm, konnte sehen, wie breite, schnurgerade Bänder das kleinteiligen Mosaik der Dörfer und der schmalen, parkettartig angeordneten Ackerstreifen zerschnitten, stur und fremd von Horizont zu Horizont: hellbraune Sandpisten zuerst, kurz darauf schon mit grauem Asphalt gedeckt - gewaltige Ameisenstraßen, besetzt mit wimmelnden Baggern, Walzen, Kipplastern.

          Die Autobahn A 2 verändert die polnische Landschaft
          Die Autobahn A 2 verändert die polnische Landschaft : Bild: Lüdecke, Matthias

          Die Bänder der Autobahnbaustellen, die heute ganz Polen kreuz und quer durchziehen, sind Zeichen einer Wandlung, welche die polnische Landschaft tief verändert. Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft, die im Juni hier und in der Ukraine stattfindet, steht das Land kurz vor dem Abschluss einer Bauanstrengung, wie es sie seit dem Wiederaufbau des zerstörten Warschau nach 1945 nicht mehr gesehen hat.

          Verkehrsminister Slawomir Nowak hat im Gespräch mit dieser Zeitung beschrieben, was das bedeutet: Von den vier Austragungsorten der EM haben drei - Posen, Breslau und Danzig - komplett neue Flughäfen bekommen, in Warschau wurde der bestehende Flughafen erweitert. Drei von vier Städten (außer Posen) haben neue Stadien, die Bahnhöfe wurden runderneuert, die Bahnstrecken, die oft nur Schneckentempo zuließen, sind modernisiert worden (die Fahrt von Danzig nach Warschau verkürzt sich von sechs auf dreieinhalb Stunden), und Warschau erhält endlich die lange erwartete zweite U-Bahn-Linie.

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