https://www.faz.net/-gpf-9mvxp

Ausladung israelischen Besuchs : Polen will nicht über beschlagnahmtes jüdisches Eigentum reden

  • Aktualisiert am

Polnische Nationalisten demonstrieren in Warschau gegen ein amerikanisches Gesetz. Bild: AP

Polen reagiere mit der Ausladung der israelischen Delegation auf eine Änderung von deren Besetzung. Für die polnische Regierung ist die Diskussion über jüdisches Eigentum beendet.

          Die polnische Regierung hat eine israelische Delegation kurzfristig ausgeladen, um nicht über Forderungen nach einer Rückgabe während des Holocausts beschlagnahmten Eigentums sprechen zu müssen. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es am Montagmorgen, Polen habe sich zu dem Schritt entschieden, nachdem Israel die Zusammensetzung seiner Delegation geändert habe. Sie sollte eigentlich im Laufe des Tages in Warschau landen.

          Die neue Besetzung der Besuchergruppe habe „darauf hingedeutet, dass die Gespräche sich vor allem auf die Frage der Rückgabe von Eigentum konzentrieren würden“, erklärte das Ministerium. Der Generaldirektor des israelischen Ministeriums für soziale Gerechtigkeit, Avi Cohen-Scali, hätte die Delegation leiten sollen. Die Regierung in Warschau betrachtet die Diskussion über die Rückgabe des Eigentums von Holocaust-Opfern als beendet.

          Tausende Nationalisten hatten am Samstag in der polnischen Hauptstadt gegen ein neues Gesetz in den Vereinigten Staaten protestiert. Es verpflichtet das Außenministerium in Washington zu regelmäßigen Berichten über die Fortschritte einer Reihe von Ländern bei der Rückgabe jüdischen Eigentums, das während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt worden war. Zu den Ländern gehört auch Polen.

          Vor dem Krieg hatte Polen eine große jüdische Gemeinde gehabt. Mit etwa 3,2 Millionen Menschen machte sie rund zehn Prozent der Bevölkerung aus. Heute gibt es zunehmend Sorgen über ein Erstarken des Antisemitismus in Polen. Zuletzt hatte der Jüdische Weltkongress im April eine Aktion verurteilt, bei der in einem polnischen Ort zu Ostern eine Puppe aufgehängt und verbrannt wurde, die „wie ein stereotyper Jude“ ausgesehen haben soll.

          Weitere Themen

          In zwei Fliegern nach Amerika Video-Seite öffnen

          Kritik an Bundesregierung : In zwei Fliegern nach Amerika

          Bundskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen fast zeitgleich an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie nutzen dabei jedoch zwei getrennte Flugzeuge.

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.