https://www.faz.net/-gpf-u81v

Polen : „Augenblick der Schwäche“

  • Aktualisiert am

Erzbischof Wielgus: Dubiose Kontakte zum Geheimdienst Bild: REUTERS

Der polnische Erzbischof Stanislaw Wielgus hat offiziell seine Funktion als Metropolit von Warschau übernommen. Der Vatikan verzichtete darauf, die Nominierung des Erzbischofs wegen dessen mutmaßlichen Tätigkeiten für den Geheimdienst zurückzuziehen.

          1 Min.

          Der polnische Erzbischof Stanislaw Wielgus hat am Freitag offiziell seine Funktion als Metropolit von Warschau übernommen. Unerfüllt blieben Erwartungen, der Vatikan könnte im Licht neuer Erkenntnisse über frühere geheimdienstliche Tätigkeiten des Erzbischofs die Nominierung in letzter Minute zurückziehen oder Wielgus selbst könnte auf die Amtsübernahme verzichten.

          Wie der Sprecher der Warschauer Kurie mitteilte, fand die offizielle Amtsübergabe von Primas Glemp auf Erzbischof Wielgus am Freitagnachmittag statt. In Anwesenheit von zehn Geistlichen wurde in der dafür im Kirchenrecht vorgesehenen Zeremonie die Ernennungsurkunde des Papstes verlesen und anschließend auf ihre Echtheit geprüft. Die öffentliche Amtseinführung findet am Sonntag im Rahmen eines Festgottesdienstes statt, an dem auch Staatspräsident Lech Kaczynski teilnehmen wird.

          „Niemandem geschadet“

          Wielgus nahm am Freitag erstmals ausführlich zu den Vorwürfen Stellung, die am Donnerstag durch umfangreiche Aktenveröffentlichungen untermauert worden waren. In einer dreiseitigen Erklärung gestand er, sich 1978 in einem „Augenblick der Schwäche“ zur Zusammenarbeit mit dem Auslandsgeheimdienst verpflichtet zu haben. Ein „äußerst brutaler“ Beamter habe ihn unter der Androhung, er werde Wielgus vernichten, zur Unterschrift genötigt, als er einen Pass für ein Stipendium in München gebraucht habe.

          Nie habe er jedoch mit dem Inlandsgeheimdienst zusammengearbeitet, hob Wielgus hervor. Die ihm in den Akten nachgesagten Denunziationen seien der Phantasie des Sicherheitsapparats entsprungen. Er habe niemandem geschadet und keinen der ihm erteilten Aufträge ausgeführt. Falsch sei auch, dass seine Reise nach München auf die Initiative des Geheimdiensts zurückgegangen sei.

          Aus Verpflichtungen „herausgewunden“

          Wielgus' Einlassung deckt sich im Wesentlichen mit den vorläufigen Befunden weltlicher und kirchlicher Historiker, die sich mit der Geheimdienstakte des Erzbischofs befasst haben. Sprecher beider Kommissionen ließen keinen Zweifel daran, dass die Verpflichtungserklärung, die Wielgus mit seinem Decknamen „Adam Wysocki“ unterschrieben hatte, echt sei. Der Historiker Andrzej Paczkowski fügte jedoch am Freitag hinzu, Wielgus habe sich offensichtlich aus seinen Verpflichtungen „herausgewunden“ und seine Aufträge nicht erfüllt.

          Nach einer Umfrage der Zeitung „Dziennik“ äußerten zwei Drittel der Befragten, ein Geistlicher, der mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet habe, könne keine höheren Funktionen in der Hierarchie ausüben. 73 Prozent hatten sich noch Mitte der Woche dafür ausgesprochen, der Vatikan solle Wielgus' Ernennung widerrufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.