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Polen : Anschlag in Warschau verhindert

Ermittler zeigen auf einer Pressekonferenz Videoaufnahmen, die der Festgenommene selbst von seinen Versuchen mit Sprengstoff gemacht haben soll.
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          Die polnischen Behörden haben nach eigenen Angaben einen verheerenden Autobombenanschlag einer „nationalistisch“ und „antisemitisch“ gesinnten Gruppe auf den Staatspräsidenten, den Ministerpräsidenten und das Parlament in Warschau verhindert. Die Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, das geplante Attentat habe während der Haushaltsberatungen des polnischen Parlaments stattfinden sollen - zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl Staatspräsident Bronislaw Komorowski als auch Ministerpräsident Donald Tusk im Sejm anwesend wären.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ein Angestellter der Landwirtschaftlichen Hochschule Krakau und zwei weitere Personen seien festgenommen worden. Die Behörden hätten Sprengstoff, Waffen und mehr als tausend Schuß Munition sichergestellt, außerdem Autokennzeichen, kugelsichere Westen, Helme und Fachliteratur zu Sprengstoffen und Pyrotechnik.

          Polen : Anschlag auf Parlament vereitelt

          Die Krakauer Staatsanwaltschaft berichtete am Dienstag, der Verdächtige, ein im Jahr 1967 geborener Mann namens Brunon K, habe keiner Gruppe oder Partei angehört. Er habe jedoch bei einer Vernehmung angegeben, aus „nationalistischen“, „antisemitischen“ und „fremdenfeindlichen“ Gründen zu handeln. Den Plan, während der Haushaltsverhandlungen das polnische Parlament anzugreifen, habe er mittlerweile gestanden. Dabei habe er einen Zeitpunkt im Sinn gehabt, an dem Präsident, Ministerpräsident und Minister anwesend wären. Der Hauptverdächtige hat dabei nach Auskunft der Ermittler nicht alleine gehandelt. Er habe Helfer angeworben, ihnen Aufgaben zugeteilt, die Umgebung des Parlaments ausgekundschaftet und Probedetonationen durchgeführt. Das Ziel sei ein Autobombenanschlag gewesen. Die polnische Presse erinnerte daran, dass 1995 bei einem solchen Attentat auf ein Behördengebäude in Oklahoma City in den Vereinigten Staaten 168 Personen ums Leben getötet worden sind.

          Der Sejm in Warschau: Polens Parlament sollte das Ziel des Sprengstoffanschlags sein, mit dem der Verdächtige möglichst viele Politiker aller Parteien töten wollte.
          Der Sejm in Warschau: Polens Parlament sollte das Ziel des Sprengstoffanschlags sein, mit dem der Verdächtige möglichst viele Politiker aller Parteien töten wollte. : Bild: dapd

          Die Behörden sind offenbar durch Veröffentlichungen des mutmaßlichen Attentäters im Internet auf den Mann aufmerksam geworden. Polnische Nachrichtenportale veröffentlichten am Dienstag Auszüge aus Texten des Festgenommenen, in denen er die Europäische Union Kritisiert und Polen als „totalitären Staat“ darstellt. „Unsere Großväter und Väter haben gekämpft, damit wir in einem freien Land leben können,“ heißt es da unter anderem. Nun sei die „Zeit für Taten“ gekommen.

          In einem anderen Text schrieb der Verdächtige angeblich, er habe vor Jahren an der Warschauer polytechnischen Hochschule einen Studiengang über Sprengstoffe absolviert, und er besitze zahlreiche Filme über Explosionen. „Für mich war das immer ein Hobby“. Anscheinend hat aber auch die Ehefrau des Festgenommenen, eine Biologin, zu seiner Festnahme beigetragen. Die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ schrieb, sie habe die Ermittler alarmiert, nachdem ihr Mann sie über bakterielle Kampfstoffe ausgefragt habe. Die Behörden haben die Tätigkeiten der Festgenommenen offenbar schon seit längerer Zeit beobachtet.

          Zum Zugriff kam es dann am 9. November, zwei Tage vor dem polnischen Nationalfeiertag. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, man habe befürchtet, die Verdächtigen könnten an diesem Tag eine Kundgebung angreifen, an der auch Staatspräsident Komorowski teilnahm.

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