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Dudas Wahlsieg in Polen : Der Präsident der Dörfer und Kleinstädte

Unter Menschen: Andrzej Duda im Juni im Wahlkampf in der Stadt Koscierzyna Bild: dpa

In den Großstädten hatte Polens Präsident Andrzej Duda bei dieser Wahl keine Chance. Den Boden für seinen Erfolg hat er in den vergangenen fünf Jahren bei unzähligen Reisen in die Provinz bereitet.

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          Polen wirkt am Tag nach der Präsidentenwahl wie ein geteiltes Land. Nicht nur, dass die Wähler nach einem äußerst hart und unversöhnlich geführten Wahlkampf zwischen dem wiedergewählten Amtsinhaber Andrzej Duda und dem Herausforderer Rafal Trzaskowski in zwei fast gleich große Lager gespalten sind. Auch auf der Landkarte sieht es so aus, als zerfalle Polen in ein Duda-Land im Südosten, der wirtschaftlich weniger entwickelt und konservativer ist, und ein liberales Trzaskowski-Land in den wirtschaftlichen Zentren im Norden und Westen. Die Grenze zwischen diesen beiden Ländern verlauft fast genau entlang jener Grenze, an der in der Zeit von Polens Unfreiheit vom Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf der einen Seite das Teilungsgebiet Preußens und auf der anderen die Teilungsgebiete Russlands und Österreich-Ungarns aufeinandergestoßen sind.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Aber dieses Bild führt in die Irre. Denn die Grenzziehung entlang historisch vertraut wirkender Linien ergibt sich nur, wenn man die Ergebnisse auf der Ebene der Wojewodschaften, der sechzehn großen Verwaltungsbezirke, betrachtet. Über die Gründe für den knappen Sieg Dudas erfährt man mehr, wenn man die Ergebnisse auf der Ebene von Städten und Gemeinden betrachtet: Dann ist fast ganz Polen Duda-Land, in dem sich nur einige – nach Norden und Westen hin zahlreicher werdende – Einsprengsel finden, die für Trzaskowski gestimmt haben. 

          In allen großen Städten Polens hat der Präsident mit großem Abstand gegen seinen Herausforderer verloren. Trzaskowski hat in Warschau, Danzig, Breslau, Stettin, Kattowitz, Bromberg, Thorn und auch in Dudas Heimatstadt Krakau zwischen 60 und 74 Prozent der Stimmen bekommen. Klarer Sieger war er auch in den Ballungsräumen rings um diese Städte. Präsident Duda hat die Wahl in den Dörfern und kleinen Städten gewonnen.

          Duda setzte weltanschaulich stark konservative Akzente

          Dort gibt es mehr Menschen als in den Städten, die sich von den wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen abgehängt fühlen, die Polen in den vergangenen 30 Jahren erlebt hat. Dort hat die katholische Kirche noch mehr Einfluss auf das Leben der Menschen, dort ist der Anteil der Alten größer, dort beziehen mehr Menschen als in den Städten ihre Informationen aus dem öffentlichen Fernsehen, das in den vergangenen Wochen Wahlkampf für Duda gemacht und eine Schmutzkampagne gegen Trzaskowski geführt hat.

          Ein Plakat für Duda in Godziszów im Südosten Polens. In dem kleinen Dorf hat Präsident Duda mehr als 80 Prozent der Stimmen bekommen.

          Das sind alles Faktoren, die Duda ohnehin zugute kommen, der mit der – im Grunde sozialdemokratischen – Sozialpolitik der nationalkonservativen PiS-Regierung werben konnte und weltanschaulich stark konservative Akzente setzte. Das allein hätte aber vermutlich nicht ausgereicht, diese Wähler in so hohem Maß zu mobilisieren, wie ihm das am Sonntag gelungen ist. Für Duda hat sich ausgezahlt, dass er in den fünf Jahren seit seinem ersten Wahlsieg unzählige Kleinstädte und Dörfer besucht hat, in die sich vor ihm nie ein führender Politiker aus Warschau verirrt hatte.

          Konzerte, Dorffeste, Straßeneröffnungen und Tausende Hände

          Sein fünf Jahre altes Versprechen, in jeden Landkreis Polens zu fahren, hat er vermutlich erfüllt. Er hat dort Konzerte und Dorffeste besucht, Straßen eröffnet, sich Schulen und Krankenhäuser angesehen und Tausenden die Hände geschüttelt. Das gab den Menschen das Gefühl, gehört zu werden – obwohl die Regierungspartei PiS eine solche Arroganz der Macht an den Tag legt wie keine andere Regierung in Polen seit 1989.

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