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Chinas Corona-Statistik : Chaos oder Vertuschung?

  • -Aktualisiert am

Führer mit Glaubwürdigkeitsproblem: Xi Jinping Bild: dpa

Immer wieder neue Zahlen aus China. Nun meldet Wuhan plötzlich 50 Prozent mehr Tote als bisher. Peking darf sich nicht wundern, wenn seinen Verlautbarungen immer mehr misstraut wird.

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          Entweder war das Krisenmanagement der Volksrepublik China in der Corona-Pandemie doch nicht so großartig, was die plötzliche Steigerung der Zahl der Toten in Wuhan um gleich 50 Prozent erklären würde. Dann aber wäre auch die Triumphpropaganda, mit der das Regime die eigene Bevölkerung und die Welt seit einiger Zeit traktiert, mindestens verlogen.

          Oder die Behörden haben doch von Anfang an systematisch vertuscht und sowohl ihre Bürger als auch die Außenwelt – zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation – belogen.

          Was auch immer geschehen ist, es war, ist und bleibt verwegen, offiziellen Informationen aus China zum Thema Corona einfach Glauben zu schenken.

          Xi hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

          Die im System angelegten Gründe für Falschinformationen sind oft dargelegt worden. Deshalb liefern auch die jüngsten Zahlen aus Wuhan allenfalls einen Anhaltspunkt dafür, was seit Jahresbeginn (oder gar noch früher?) in China passiert sein könnte.

          Solange sich das nicht grundlegend ändert, darf sich Peking weder wundern noch sich gar darüber empören, dass ihm immer mehr Misstrauen entgegenschlägt.

          Fehler, zumal in einer akuten Krisensituation, können immer und überall vorkommen. Aber wer, wie Staats- und Parteichef Xi Jinping, ein Unfehlbarkeitsdogma vor sich herträgt, hat schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem. So viele lokale Sündenböcke gibt es gar nicht, als dass nicht auch ein Schatten auf den großen Führer fiele. Und was bleibt dann vom „Modell“ China?

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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