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Plagiatsaffäre in Österreich : Kapitän Kurz und die Seepocken

Christine Aschbacher, die zurückgetretene Arbeitsministerin Österreichs, bei einer Pressekonferenz im Frühjahr Bild: dpa

Ein Plagiatsverdacht bringt auch in Wien eine Ministerin in Bedrängnis – aber anders als in Deutschland entschärft Kanzler Sebastian Kurz die Krise rasch. Dass der Nachfolger nicht zum ÖVP-Parteiestablishment gehört, passt zu seiner Linie.

          3 Min.

          Jetzt hat Österreich auch seine Plagiatsaffäre, doch hat die Regierungsspitze um Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz sie politisch entschärft, kaum dass sie aufgetreten war. Am Samstag trat Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) zurück, zwei Tage nachdem Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität und Lauterkeit ihrer Diplomarbeit, dann auch ihrer Dissertation laut geworden waren. Am Sonntag wurde der parteilose Ökonom Martin Kocher als Nachfolger präsentiert.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Aschbacher gab an, sie habe ihre Arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, wolle aber ihre Familie vor Anfeindungen schützen. Die Fachhochschule Wiener Neustadt, an der die inkriminierte Diplomarbeit angenommen worden ist, kündigte eine Prüfung an. Aber die Passagen, die zunächst auf dem Blog eines selbsternannten „Plagiatsjägers“ zitiert worden waren, zeugen auch unabhängig von der Frage, ob sie ohne korrekten Nachweis abgeschrieben worden sind, von einer gewissen sprachlichen Unbeholfenheit. Schon äußerlich gab es auch ein ungünstiges Bild ab, dass die 37 Jahre alte Aschbacher ihre Dissertation im Mai 2020 einreichte – mitten während der ersten Welle der Corona-Pandemie. Oppositionspolitiker kritisierten, die Arbeitsministerin hätte ihre Aufmerksamkeit auf die dadurch entstandene Rekordarbeitslosigkeit lenken müssen statt auf einen akademischen Titel.

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