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Pjöngjangs Provokationen : Diesmal will China nicht helfen

  • -Aktualisiert am

Den nordkoreanischen Nachbarn im Blick: Chinesischer Grenzposten in Dandong - von dort führt die Brücke in nordkoreanische Sinuiju Bild: AFP

Der Unmut über Nordkorea wird nicht mehr verborgen. Nach Präsident Xi Jinping grollt jetzt auch das Militär. Und im Internet wird lebhaft diskutiert.

          China ist wegen der Entwicklung in Korea besorgt und macht sich Gedanken über die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung. Nachdem am Wochenende Staats- und Parteichef Xi Jinping selbst Nordkorea indirekt, aber deutlich gewarnt hatte, äußerte sich am Montag erstmals ein hoher chinesischer Militär öffentlich. Wenn es wegen Provokationen aus Nordkorea zu militärischen Auseinandersetzungen komme, dann würde China Nordkorea nicht zu Hilfe kommen, auch wenn es eine besondere Beziehung zu Nordkorea habe, sagte General Peng Guangqian dem Hongkonger Phoenix TV.

          Der General machte deutlich, dass man auch in der chinesischen Volksbefreiungsarmee, die einst Hunderttausende „Freiwillige“ in den Korea-Krieg schickte, die Möglichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung ernst nimmt. Im Moment blufften alle Seiten, sagte der General, niemand wolle Schwäche zeigen. Aber Nord- und Südkorea und die Vereinigten Staaten stünden am Rande eines Kriegs. Zwar wolle noch niemand den Krieg, doch die Lage könne außer Kontrolle geraten. China würde Nordkorea helfen, falls es eine Invasion von feindlichen Kräften gäbe, auch wenn es kein Militärbündnis zwischen den beiden Staaten gebe. Aber wenn die Verschärfung der Lage nur auf das irrationale Verhalten Nordkoreas zurückzuführen sei, werde sich China nicht beteiligen.

          Eine offene Missachtung des Nachbarn

          Offenbar hat besonders die „Empfehlung“ Nordkoreas, ausländische Botschaftsangehörige, auch die chinesischen, aus Pjöngjang abzuziehen, China zu schärferer Kritik veranlasst hat. Es war der chinesischen Regierung offensichtlich unangenehm, dass die chinesische Botschaft in Pjöngjang wie alle anderen behandelt wurde, zeigt doch dieses Vorgehen der nordkoreanischen Regierung wiederum eine offene Missachtung des Nachbarn und Verbündeten, obwohl der es ist, der Nordkorea am Leben erhält. Dass die Empfehlung zum Abzug auch an die chinesische Botschaft erging, wurde nur in Hongkonger Medien vermeldet. Das chinesische Außenministerium appellierte aber erstmalig an Pjöngjang, die Sicherheit seiner Bürger und Unternehmen zu gewährleisten.

          Xi Jinping warnt Nordkorea vor weiteren Provokationen

          Kein Land dürfe wegen des eigenen Vorteils den Frieden der Region oder der Welt gefährden, hatte Xi Jinping am Sonntag gesagt. Er nannte keine Namen. Aber nicht nur die ausländischen Gäste verstanden die Mahnung. Auch die chinesischen Zeitungen setzten am Montag die Äußerung des Präsidenten in Zusammenhang mit der Nordkorea-Krise. Und der Außenminister wurde konkreter. China werde keine Auseinandersetzung an seiner Haustür zulassen.

          Wie sich China nun positionieren soll, ist erstmals Gegenstand einer öffentlichen Debatte. In den offiziellen Medien und im Internet lässt die Zensur Beobachter zu Wort kommen, die ähnlich wie Kollegen außerhalb Chinas über die Motive und Pläne von Machthaber Kim Jong-un spekulieren, aber auch Empfehlungen für die chinesische Regierung aussprechen.

          Der Militärkommentator Song Xiaojun sagt, Nordkorea wolle durch seine Drohungen nur seine Verhandlungsposition gegenüber den Vereinigten Staaten stärken. Er glaubt, dass Kim Jong-un fälschlich kalkuliert hat, dass jetzt eine gute Zeit sei, um Amerika an den Verhandlungstisch zu zwingen und zu einem Friedensvertrag zu kommen. Deswegen habe er es eilig. Zhang Liangui von der Parteischule sagt der chinesischen Regierung, sie solle bei ihren Appellen für eine friedliche Lösung zu bleiben, empfiehlt aber auch, chinesische Unternehmen aus Nordkorea abzuziehen. Nordkorea habe nach dem dritten Atomtest Selbstbewusstsein gewonnen und glaube, dass es Krieg gegen Südkorea und die Vereinigten Staaten führen könne. Die Shanghaier Korea-Forscherin Yu Yingli sagt, China reite auf einem Tiger und komme nicht herunter. Sie verweist darauf, dass die wirtschaftliche Lage Nordkoreas keinen Krieg zulasse. Nordkorea müsse eine Gelegenheit finden, sich von seiner kriegerischen Position zurückzuziehen.

          Südkoreanische Soldaten am Grenzzaun in Paju

          Die meisten chinesischen Kommentatoren bleiben dabei, dass China Nordkorea aus strategischen Gründen nicht aufgeben sollte. Einige bedauern, dass China nicht schon vor Jahren Nordkorea eine Sicherheitsgarantie gegeben hat. Wenn man es unter den chinesischen Atomschirm genommen hätte, so die Argumentation, dann wäre es nicht zur jetzigen Lage gekommen.

          Regierungsnahe Kommentatoren folgen der Linie des Außenministeriums, nach der die Vereinigten Staaten sich bewegen müssten. Die wenigsten aber wiederholen den Appell des chinesischen Außenministeriums, nach der die seit Jahren abgebrochenen Sechser-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm wiederaufgenommen werden müssten. An eine Zukunft dieser Runde glaubt auch in China kaum noch jemand.

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