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Pjöngjang : Ballons haben Corona nach Nordkorea gebracht

  • -Aktualisiert am

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea und Generalsekretär der Arbeiterpartei Bild: dpa

Seit Jahren senden südkoreanische Aktivisten Ballons mit Botschaften nach Nordkorea. Der Diktatur ist das ein Dorn im Auge. Nun behauptet Pjöngjang, auf diese Weise sei das Coronavirus ins Land gekommen.

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          Das abgeschottete Nordkorea wirft seinem südkoreanischen Bruderstaat indirekt vor, für den Ausbruch des Coronavirus im Land verantwortlich zu sein. Nordkoreas staatliche Stelle für Epidemieprävention teilte am Freitag mit, „fremde Gegenstände“ wie etwa Ballons hätten das Virus vom Süden her ins Land getragen. Zuerst berichtete die amerikanische Tageszeitung New York Times.

          Nach Angaben der nordkoreanischen Behörde seien die ersten Infektionen mit dem Coronavirus dort registriert worden, wo Ballons aus Südkorea niedergegangen seien. Die Bürger des diktatorischen Staates wurden aufgerufen, äußerst vorsichtig mit sämtlichen Gegenständen umzugehen, die vom Wind „oder anderen Naturphänomenen“ über die Grenze gebracht würden.

          Südkorea widerspricht der Darstellung

          Seit Jahren lassen südkoreanische Aktivisten nahe der Grenze Ballons in den Himmel steigen. An ihnen befestigen sie Flugblätter, Dollarnoten, kleine Bibeln oder gar digitale Datenträger, auf denen aktuelle Nachrichten aus der freien Welt gespeichert sind. Nordkorea, das den Zugang zu Informationen akribisch kontrolliert und zensiert, hat diese Aktionen bereits mehrfach verurteilt und mit Vergeltung gedroht. Südkorea hat sich aus Sorge vor einer Eskalation mehrfach von den Aktivisten distanziert.

          Am Freitag teilte Südkorea mit, dass die Ballons der Aktivisten nicht für den Ausbruch des Coronavirus verantwortlich gemacht werden könnten. Man habe Experten der Seuchenschutzbehörde in dieser Sache konsultiert. Coronaviren werden vor allem über Tröpfchen oder Aerosole in der Luft weitergegeben.

          Südkoreanische Aktivisten lassen Ballons nahe der Grenze zum Bruderstaat steigen.
          Südkoreanische Aktivisten lassen Ballons nahe der Grenze zum Bruderstaat steigen. : Bild: AP

          Die ersten zwei Jahre der Corona-Pandemie überstand Nordkorea offenbar ohne größeres Infektionsgeschehen. Im Mai 2022 meldete die abgeschottete Diktatur dann die ersten Corona-Fälle. Von den rund 26 Millionen Einwohnern des Landes haben offiziellen Angaben zufolge 4,7 Millionen Menschen Symptome des Coronavirus entwickelt – an dem Virus gestorben seien indes nur 73 Menschen. In letzter Zeit will die Regierung in Pjöngjang das Infektionsgeschehen aber in den Griff bekommen haben. So sollen sich am Freitag nur noch 4570 Nordkoreaner infiziert haben, nachdem der Tageswert Mitte Mai bei rund 390.000 gelegen haben soll.

          Experten von außerhalb zweifeln die offizielle Darstellung der Corona-Lage in Nordkorea stark an. Die Daten seien schon deshalb nicht glaubwürdig, weil das Land über ungenügende Testkapazitäten verfüge, um die Ausbreitung des Virus zu untersuchen.

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