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Pittsburgh : Ein Bürgermeister wehrt sich gegen Trump

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Die Skyline Pittsburghs: An „Steel City“ erinnert heute nicht viel mehr als der dunkelbraune U.S. Steel Tower Bild: AP

Er repräsentiere „Pittsburgh, nicht Paris“, sagte Trump in seiner Erklärung zum Austritt aus dem Pariser Klimavertrag. Der Bürgermeister Pittsburghs will sich diese Rechtfertigung auf Kosten seiner Stadt nicht gefallen lassen.

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          Als der amerikanische Präsident Donald Trump am Donnerstag ankündigte, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, weil er eben „Pittsburgh, nicht Paris“ repräsentiere, war Bill Peduto „geschockt“. Denn Peduto, der Bürgermeister von Pittsburgh, war damals selbst in Paris mit dabei gewesen, als das Klimaschutzabkommen vereinbart wurde. Darüber hinaus hätten sich die Wähler in Pittsburgh, das im Bundesstaat Pennsylvania liegt, im November zu fast 80 Prozent gegen Trump ausgesprochen, twitterte Peduto entrüstet.

          Das Pittsburgh, das Trump in seiner Grundsatzrede zum Pariser Abkommen zu repräsentieren und dessen Interessen er zu vertreten behauptet, gibt es heute aber nicht mehr. Denn aus der „Steel City“ ist längst eine Stadt geworden, deren Wirtschaft in den Branchen Bildung, Technologie und Versicherung verankert ist. Vor 35 Jahren, nach dem Zusammenbruch der Stahlindustrie, hatte die Arbeitslosenquote Pittsburghs noch bei 17 Prozent gelegen; heute liegt sie beim amerikanischen Durchschnitt von rund fünf Prozent. Zudem waren im vergangenen Jahr im Großraum Pittsburgh mehr als 13 000 Personen in der Branche erneuerbarer Energien beschäftigt und nur noch 5300 in der Stahlindustrie.

          Darauf bezieht sich Bill Peduto, ein Demokrat und seit 2014 Bürgermeister der Stadt, und er stellt sich klar gegen Trump – und das in allen großen amerikanischen Fernsehsendungen. Trump mache den Kohlearbeitern mit seiner Entscheidung „falsche Hoffnungen“, sagte Peduto am Donnerstag. Der Austritt aus dem Abkommen würde nicht nur der Wirtschaft schaden, sondern auch Amerikas Stellung in der Welt schwächen.

          Bürgermeister wollen Abkommen trotzdem einhalten

          „In unserer Gegend sah es so schlecht aus, dass wir 24 Stunden am Tag die Straßenlaternen anlassen mussten“, sagt Peduto und erinnert an das alte Pittsburgh, in dem sich Stahlfabrik and Stahlfabrik reihte und die dreckigen Abgase die Stadtluft grau färbten. Das sei lange vorbei. Während die Welt beginne, erneuerbare Energien zu finanzieren, könne Amerika entweder mitmachen oder zurückbleiben und „zuschauen, wie Deutschland und Südostasien die nächste wirtschaftliche Revolution anführen“.

          Peduto, der unverheiratet und 52 Jahre alt ist, kündigte an, gemeinsam mit 81 anderen Bürgermeistern amerikanischer Städte die Auflagen des Pariser Abkommens weiter erfüllen zu wollen. Dazu muss Peduto im November als Bürgermeister wiedergewählt werden. Derzeit stehen seine Chancen gut: Seine parteiinternen Widersacher hatte er bei der Vorwahl im Mai bereits aus dem Rennen geworfen, von den Republikanern hat sich bisher niemand aufstellen lassen. Das ist wenig überraschend, denn das Pittsburgher Rathaus ist seit den dreißiger Jahren immer in der Hand eines Demokraten gewesen. Als Politiker ist Peduto ein alter Hase. Er wurde bereits 2002 in den Stadtrat gewählt, davor arbeitete er als Berater und Stratege für Wahlkampagnen. Studiert hatte er übrigens wie Trump in Pennsylvania.

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