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Piraterie : Eskalation am Horn von Afrika

Neun Kaperungen und sechzehn Versuche auf Hoher See sind dort allein für das kaum angebrochene Jahr 2011 verzeichnet. Hinzu kommen zwei weitere Kaperungen vor der somalischen Küste. Schon für das vergangene Jahr hat das IMB einen neuen traurigen Rekord gemeldet. 1181 Seeleute wurden 2010 von Piraten in der ganzen Welt gefangengenommen, davon 1016 von somalischen Piraten.

Dabei hat sich der Schwerpunkt der Überfälle aus dem Golf von Aden herausbewegt. Das hat auch mit der verstärkten Präsenz der internationalen Marinen zu tun. Doch die Piraten sind offensichtlich immer besser ausgerüstet – mit seetüchtigeren Schiffen und mit besseren Navigationsgeräten, teilweise auch mit Radar. Das ermöglicht es ihnen, immer weiter auf die Hohe See auszuweichen.

Das geht - offensichtlich ursächlich - einher mit immer höheren Lösegeldzahlungen, die die Piraten erpressen. Durchschnittlich stieg der „Erlös“ pro Schiff laut einem Bericht der Zeitschrift „Marine-Forum“ von 1 bis 2 Millionen Dollar im Jahr 2009 auf 3 Millionen Dollar 2010; für das Schiff „Samho Dream“ seien gar 9,5 Dollar gezahlt worden. Unklar ist, ob die zunehmende Gewaltbereitschaft der Piraten auch damit zu tun hat, dass in Somalia islamistische Milizen im vergangenen Jahr dazu übergegangen sein sollen, Piraterie nicht nur zu dulden (und zu „besteuern“), sondern einen „See-Dschihad“ gegen die internationale Handelschifffahrt auszurufen.

Die meisten Schiffe haben Sicherheitsräume eingebaut

Zwar zeigten auch Gegenmaßnahmen der Schiffseigner Wirkung. So reagieren die Besatzungen zunehmend professionell geschult auf Piratenangriffe, fahren Ausweichmanöver, um den kleinen Schnellbooten zu entkommen. Und inzwischen sind in den meisten Schiffen Sicherheitsräume eingebaut, sogenannte Zitadellen. Sie sind schwer zu finden und haben verstärkte Wände und Türen, sind mit Proviant und Funkverbindungen ausgestattet. Unter Umständen kann von dort aus auch die Steuerungsanlage des Schiffes oder der Motor gestoppt werden. Mehrmals konnte so inzwischen ein Schiff trotz schon erfolgter Kaperung durch internationale Marinekräfte wieder befreit werden – so zuletzt im Fall der „New York Star“ in einer konzertierten Aktion von Seestreitkräften aus Australien, den Niederlanden und Russland.

Nach Angaben der Nato stürmten am Samstag Spezialkräfte der niederländischen Fregatte De Ruyter das Schiff mitten im Indischen Ozean und befreite die Mannschaft, die sich in einem sicheren Raum verschanzt hatte. Zuvor hatte ein Seefernaufklärer der australischen Marine das gekaperte Schiff und die Piraten unter Kontrolle gehalten. Nach der Befreiung wurde die „New York Star“, die der deutschen CTS-Reederei gehört, vom russischen Kreuzer „Admiral Vinogradov“ aus dem Piratengebiet eskortiert.

Im Fall der „Beluga Nomination“ hat allerdings die Flucht in die Zitadelle nichts gebracht. Fast zwei Tage lang harrte die Besatzung in dem abgeschlossenen Raum aus, doch selbst diese Zeit reichte nicht aus, um eines der Marineschiffe heranzuführen. Eine „Atalanta“-Fregatte, die es hätte schaffen können, setzte ihre Eskorte eines Schiffes des Welternährungsprogrammes fort. Sonst hätte man riskiert, statt einer gleich zwei Entführungen zu haben, so lautete die Begründung.

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