https://www.faz.net/-gpf-6z69u

Piratenpartei : Mit Vollgas Richtung Mainstream

Die Piraten in Prag: Die Garderobe vieler Teilnehmer ist mit Bedacht gewählt Bild: dpa

Von der großspurigen Ankündigung, eine europäische Piratenpartei zu gründen, bleibt auf dem Treffen des internationalen Dachverbandes in Prag nicht viel übrig.

          3 Min.

          Eine lilafarbene Flagge der Piratenpartei hängt am Eingang eines sanierten Altbaus in Prag. Dort, in einem schicken Kreativzentrum namens „Hub Praha“ ist die Piratenpartei dabei, sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit im Mainstream einzurichten. Die Zeit, in der Tagungen in verräucherten Schmuddelclubs und kahlen Schulgebäuden stattfanden, ist vorbei – die Partei leistet sich ein wenig Gentrifizierung. So findet die Tagung der Generalversammlung der „Pirate Parties International“ (PPI) nun eben hier statt. Rund 200 Abgesandte und Gäste aus mehr als 20 Ländern sind gekommen.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Auf vielen Stühlen stehen herrenlose Laptops, deren Besitzer auf der Terrasse rauchen oder an der Bar stehen. Die Garderobe vieler Teilnehmer ist mit Bedacht gewählt: ein Grieche trägt ein weißes Sweatshirt, auf dem die blau-weiße Landesflagge in das Piraten-P integriert ist. Ein Schweizer ist einem lilafarbenen Samtanzug und orangenem Hemd gekommen, ein violettes Seidenhemd trägt auch der Urpirat und Gründer der ersten Piratenpartei in Schweden, Rick Falkvinge. In Schweden ist Lila die offizielle Parteifarbe. Orange ist ebenfalls oft vertreten: es ist die Farbe der deutschen Piraten, und von ihnen sind fast so viele hier wie von den tschechischen Veranstaltern – auch fünf Mitglieder der Berliner Fraktion.

          Das „Orange“, das die deutsche Parteienlandschaft tüchtig umgekrempelt hat

          Zum Dachverband PPI gehören mittlerweile Landesparteien aus 26 Staaten, darunter auch solche, die vor allem virtuell existieren, etwa die brasilianischen oder kasachischen Piraten. An diesem Wochenende treten unter großem Jubel die Piratenparteien aus Griechenland und Kroatien bei. Ein paar Bewerbungen kamen zu spät, darunter die der Tunesier.

          Trotzdem ist Slim Amamou gekommen, der während der Arabellion zu Internetruhm gekommen und zwischenzeitlich zum Staatssekretär für Jugend gemacht worden war. In Tunesien, berichtet er, sind inzwischen sogar zwei Piratenparteien zugelassen worden – die andere, sagt Amamou mit bösem Blick, habe aber nur „vier Mitglieder“, seine dagegen 50. Bei den nächsten Wahlen wollen sie antreten mit dem Ziel, das herrschende Wahlsystem abzuschaffen. An seine Stelle solle eine internetbasierte direkte Demokratie treten, in der jeder Bürger online über die Politik seines Landes entscheiden könne. Vor Repressalien in seinem Heimatland habe er keine Angst, sagt Amamou, dafür sei er „zum Glück zu berühmt“.

          Großspurige Ankündigungen, vage Ziele

          Mit einer gewissen Großspurigkeit hatten die Piraten vor der Zusammenkunft über die Medien verbreitet, dort eine europäische Piratenpartei gründen zu wollen, mit der sie zur Europawahl 2014 antreten könnten. In Prag wird dann doch tiefer gestapelt. Eine europäische Partei wird erst dann anerkannt, wenn sie Abgeordnete in sieben Ländern vorweisen kann. Bisher hat die Partei aber nur Abgeordnete in zwei Ländern: Deutschland und Schweden, das zwei Piraten ins Europäische Parlament entsandt hat.

          Weitere Themen

          Möglicher Bundeswehr-Einsatz in Libyen Video-Seite öffnen

          Klausurtagung Hamburg : Möglicher Bundeswehr-Einsatz in Libyen

          Zum Auftakt der zweitägigen Klausurtagung standen Themen wie Sicherheit und Verteidigung auf der Tagesordnung. Die CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin skizziert, welche Gedanken sich die Bundeswehr bei einem anhaltenden Waffenstillstand in Libyen machen muss.

          Außenminister ausgewechselt

          Nordkorea : Außenminister ausgewechselt

          Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho soll abgelöst werden. Dieser Amtswechsel könnte einen größeren Umschwung in Nordkoreas Diplomatie andeuten.

          Topmeldungen

          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.