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Piraten vor Somalia : Stammesälteste vermitteln im Geiseldrama

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Seeräuber, die noch immer den amerikanischen Kapitän Richard Phillips in ihrer Gewalt haben, haben abermals Verhandlungen über seine Freilassung aufgenommen. Dabei nähern sie sich weiter der Küste. Die amerikanischen Kriegsschiffe werden jedoch verhindern wollen, dass die Piraten das Land erreichen.

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          Somalische Stammesälteste haben am Sonntag neue Verhandlungen über die Freilassung des von Piraten als Geisel gehaltenen amerikanischen Schiffskapitäns Richard Phillips aufgenommen. Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die Clanvertreter seien in Booten zum Standort des Rettungsbootes aufgebrochen, in dem vier Piraten den 53-Jährigen gefangen halten. Das Boot ist inzwischen weniger als 50 Kilometer von der Küste unweit der Stadt Gara'ad, einer berüchtigten Piratenhochburg, entfernt. Stammesälteste, die in der somalischen Gesellschaft hohes Ansehen genießen, hatten bereits in der Vergangenheit erfolgreich zwischen Piraten und Reedern vermittelt.

          Nachdem das Boot der Piraten Küstennähe erreicht hat, wächst die Gefahr einer Zuspitzung des Geiseldramas. Vertreter der amerikanischen Marine hatten betont, Phillips dürfe keinesfalls an Land verschleppt werden, wie der Fernsehsender CNN berichtete. Unklar war, wie sich das Boot der Küste nähern konnte. Zunächst hatte es geheißen, der Treibstoff sei ausgegangen.

          Italienischer Frachter gekapert

          Somalische Piraten kaperten unterdessen am Samstag im Golf von Aden den unter italienischer Fahne fahrenden Schlepper „Buccaneer“ (Freibeuter). Das 75 Meter lange Boot gehört nach italienischen Medienberichten dem Unternehmen Micoperi Marine Contractors in Ravenna. An Bord sollen 16 Mann Besatzung sein - zehn Italiener, fünf Rumänen und ein Kroate. Das Außenministerium in Rom sagte, es werde in dem Fall international abgestimmt vorgegangen. Der Schlepper war auf dem Weg von Singapur nach Suez. Die italienische Fregatte „Maestrale“ soll auf dem Weg in die Krisenregion sein.

          Piraten im Visier: Amerikanischer Soldate im Hubschrauber über dem Golf von Aden

          Die Befreiung von fünf Franzosen aus der Gewalt von Piraten auf einer Jacht hatte am Freitag ein blutiges Ende gefunden: Der Bootseigentümer Florent Lemaçon und zwei Seeräuber wurden bei der Aktion französischer Truppen getötet. Eine Autopsie soll klären, ob der Segler womöglich von einer Kugel der französischen Soldaten getötet wurde, sagte Verteidigungsminister Hervé Morin.

          Trittin fordert Verantwortung der Polizei ein

          Unterdessen wurden fünf Deutsche zusammen mit 19 anderen Seeleuten vor Somalia auf dem Frachter „Hansa Stavanger“ von Piraten festgehalten. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich intensiv um eine Lösung des Falles, sagte eine Sprecherin. Die Bundesregierung hatte laut Medienberichten eine Befreiung des Containerschiffs durch die Eliteeinheit GSG 9 erwogen. Am Samstag wurde weiter gestritten, ob Bundeswehr oder Bundespolizei für den Kampf gegen die Piraten zuständig seien.

          „Der Bundeswehreinsatz zur Bekämpfung der eskalierenden Piraterie muss sich jetzt mit aller Konsequenz auch gegen die Mutterschiffe der Seeräuber richten. Es ist bekannt, wo sie sich aufhalten, und das Bundestagsmandat erlaubt unseren Soldaten ausdrücklich, diese Ausgangsbasen der Entführer auszuschalten“, sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zugleich warnte er, die Befreiung von Geiseln dürfe nicht am Streit über Kompetenzen scheitern. Notfalls müsse das geltende Bundestagsmandat so verändert werden, dass die dazu ausgebildeten Soldaten der Division Spezielle Operationen (DSO) statt die Bundespolizisten des Spezialkommandos der GSG 9 eingreifen könnten, sagte Niebel. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hingegen äußerte, die Befreiung von Geiseln liege „ganz klar“ in der Verantwortung der Polizei.

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