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Pieter Willem Botha : Mann der harten Hand

  • -Aktualisiert am

Pieter Willem Botha (1916-2006) Bild: AFP

Als Präsident Südafrikas verteidigte er die Apartheid und blieb unbeugsam bis zum Schluß. Reue zeigte er nicht. Sein hartes, autoritäres Vorgehen gegen Gegner überschattete die zaghaften Reformversuche. Zum Tode von Pieter Willem Botha.

          Stets hatte Pieter Willem Botha sich als Mann der Armee und des Sicherheitsapparates gesehen. Sein hartes, autoritäres Vorgehen gegen Gegner, und deren hatte er viele, überschattete die Reformansätze, mit denen er das Ende der Apartheid einläutete. Auf diese aber verwiesen großmütig seine Gegner am Mittwoch: Zu seinem Tod sagte Nelson Mandela, Botha bleibe zwar ein Symbol der Apartheid, er habe aber auch Schritte unternommen zur friedlichen Konfliktbeilegung. Auch der Afrikanische Nationalkongreß (ANC) sowie Bothas Nachfolger als Präsident, Frederik Willem de Klerk, wählten zum Tod versöhnliche Worte.

          Viele Freunde waren dem neunzig Jahre alten Botha nicht geblieben. Nach seinem Sturz 1989 zog er sich verbittert zurück in den angemessen benannten Küstenort Wilderness (Wüstenei). Unbeugsam bis zuletzt, zeigte er keine Reue für seine Untaten - auch nicht, als die von Präsident Mandela eingesetzte Wahrheitskommission 1998 befand, er habe sich schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht. Von einer Strafverfolgung blieb er aus gesundheitlichen Gründen verschont.

          Symbol für Rücksichtslosigkeit

          Ein Schlaganfall hatte im Januar 1989 das Ende seiner Herrschaft und den friedlichen Wandel unter de Klerk eingeleitet. Mit Botha an der Spitze wäre die Aufhebung der Rassentrennung weniger bruchlos verlaufen - und Südafrika nicht mit dem „Wunder am Kap“ in Geschichtsbücher eingegangen.

          Sein Jähzorn war sprichwörtlich

          Botha prägte Worte wie „totale Strategie“ und „totale Schlacht“. Viele tausend Oppositionelle gingen in seinen Regierungsjahren ins Gefängnis, viele kamen bei Unruhen ums Leben und als Folge von Polizeifolter. Botha rechtfertigte die Unterdrückung mit den Gefahren „des Kommunismus“, den er undifferenziert mit dem ANC und den Schwarzen verband. Daß ausgerechnet der ANC als Regierungspartei Südafrika von einer dirigistischen Wirtschaft und Staatsmonopolen befreite und zu einer sozialdemokratisch geprägten Gesellschaft mit frühkapitalistischem Wildwuchs umbildete, verstand er nicht einmal als Ironie der Geschichte.

          Der Bauernsohn „PW“ Botha kannte kaum anderes als die Berufspolitik. Bald nach Beginn eines Jurastudiums wechselte er in die Partei, bewährte er sich als Organisator bewährte, auch beim Stören gegnerischer Veranstaltungen. 36 Jahre lang saß er für die herrschende Nationalpartei im Parlament. Als Minister für die Bevölkerungsgruppe der Farbigen (Coloureds) betrieb Botha Mitte der Sechziger die Zerstörung ihres innerstädtischen Wohngebietes District Six in Kapstadt, ein Symbol für rücksichtsloses Vorgehen. Als Verteidigungsminister fand er 1966 seine Erfüllung.

          Zaghafte Öffnungsversuche

          Nach dem Sturz Präsident Vorsters 1978 wurde PW Botha zunächst Ministerpräsident und nach einer Verfassungsänderung 1984 Staatspräsident mit umfassenden Vollmachten. Dort trieb er eine Lockerung der Apartheid voran, die zur inneren Aushöhlung beitrug: die Aufhebung des Verbots von „Mischehen“ von schwarz und weiß sowie die Abschaffung verhaßter Paßbücher, die alle Schwarzen stets bei sich zu tragen hatten. Sein Versuch, die Minderheiten der Farbigen und Inder ins Parlament zu kooptieren, besänftigte nicht. Die Bevölkerungsmehrheit der Schwarzen blieb, außer in abgelegenen „Homelands“, von der politischen Macht ausgeschlossen.

          Mit den Soweto-Unruhen, auf die er Polizei und Armee mit Notstandsrechten hart reagieren ließ, begann eine Phase innerer Unrast, wirtschaftlicher Isolierung und Verfalls, der er nicht mehr Herr werden konnte. Er gab sich seinem sprichwörtlichen Jähzorn hin und isolierte sich so auch von seinen Vertrauten. Als Vorsitzender der Sozialistischen Internationale hatte sich Willy Brandt am Vorabend eines Treffens mit Botha in Kapstadt skeptisch über Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika geäußert - unmittelbar nach Ausfällen Bothas auch gegen ihn warb er für sie. So erreichte Botha immer wieder das Gegenteil dessen, was er wollte.

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