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Drogenkrieg auf Philippinen : Duterte gesteht „außergerichtliche Tötungen“

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Der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte sagte, dass „außergerichtliche Tötungen“ seine einzige Sünde seien. (Archivfoto) Bild: AP

Seit Jahren sterben Tausende angebliche Drogenhändler auf den Philippinen offenbar als Folge des „Kriegs gegen Drogen“ der Regierung. Nun äußerte sich der Präsident – und das könnte schwerwiegende Folgen für ihn haben.

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          Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat am Donnerstag erstmals zugegeben, dass unter seiner Führung bei Polizeieinsätzen Personen ermordet wurden. Die Menschen seien im Rahmen des „Kriegs gegen Drogen“ der Regierung ohne Gerichtsverfahren getötet worden. Diese „außergerichtlichen Tötungen“ seien seine einzige Sünde, sagte Duterte. 

          Das Schuldbekenntnis Dutertes könnte ein wichtiger Bestandteil der laufenden Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Duterte werden. Im März bestätigte das Gericht, dass Ermittlungen gegen Duterte eingeleitet wurden. Duterte wird vorgeworfen an Verbrechen gegen die Menschlichkeit in seiner Zeit als Bürgermeister von Davao und als Präsident beteiligt gewesen zu sein. Daraufhin hatte Duterte den Rückzug der Philippinen aus dem Internationalen Strafgerichtshof verkündet. 

          Auf den Philippinen sind allein im vergangenen Monat mehr als 400 Menschen im „Krieg gegen Drogen“ getötet worden. Die Anti-Drogen-Behörde des südostasiatischen Landes und die Polizei veröffentlichten am Donnerstag eine Statistik, wonach im August 444 Menschen von Sicherheitskräften getötet wurden. Damit erhöhte sich die offizielle Opferzahl der seit mehr als zwei Jahren laufenden Kampagne auf 4854.

          Menschenrechtler vermuten, dass es in Wahrheit mindestens 12.000 Tote gibt. In manchen Schätzungen ist sogar von mehr als 20.000 Toten – tatsächlichen und vermeintlichen Drogenkriminellen – die Rede. Duterte steht wegen des brutalen Vorgehens international in der Kritik. Auf den Philippinen hat der 73 Jahre alte Duterte nach allen Umfragen weiterhin den Rückhalt von großen Teilen der Bevölkerung.

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