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Philippinischer Präsident : Der Mann, der schneller vorbeizieht als sein Schatten

„Wenn ihr mein Land zerstören wollt, zerstöre ich euch!“: Duterte sieht versuchsweise durch das Zielfernrohr eines Scharfschützengewehrs. Bild: Reuters

Rodrigo Duterte ist nicht leicht zu fassen. Der philippinische Präsident steht ungern früh auf, kommt häufig zu spät – und verschwindet auch mal tagelang von der Bildfläche. Hat er gesundheitliche Probleme?

          Endlich, als der Präsident von der Bühne tritt, scheint der Moment da. In steifen Trippelschritten geht er die Treppe hinab. Keine imposante Figur, etwas gedrungen und die Schultern nach vorne geschoben wie ein altersschwacher Gorilla. Er trägt eine unscheinbare weiße Windjacke und ein kariertes Hemd darunter. Unter dem schuhcremeschwarzen Haar steckt sein weiches Knautschgesicht mit der breiten Nase und dem schiefen Lächeln. Das Konterfei einer Comicfigur, als die Duterte von seinen Anhängern so gerne dargestellt wird. Rodrigo, der Rächer.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Auf dem Weg durch die Menge schüttelt er Hände, wechselt ein paar Worte mit seinen Fans. Er hat gerade seine Ansprache zum Jubiläum einer chinesisch-philippinischen Wohltätigkeitsorganisation beendet. Der deutsche Journalist wartet vor der Saaltür. Er sieht zu, wie sich Duterte nähert. Der Präsident wird von den Blitzen der Fotografen grell beleuchtet. Er ist nur ein paar Meter entfernt, als sich plötzlich eine Mitarbeiterin seines Pressestabs in den Weg stellt. „Keine Fragen!“, sagt sie panisch. Dann drängelt sich ein Leibwächter dazwischen. Mit seinem voluminösen Bauch drückt er den Eindringling unsanft zur Seite.

          Da Duterte ein Interview abgelehnt hat, bleibt nur die Möglichkeit, den Präsidenten am Rande einer Veranstaltung zu erwischen. Doch selbst Mitarbeiter der Regierung wissen nicht, welche Termine Duterte wahrnimmt. Er bleibt oft bis spät in die Nacht wach und steht ungern früh auf.

          Der seit etwas mehr als einem Jahr amtierende Präsident hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Schon Tausende Abhängige wurden in seinem „Krieg gegen Drogen“ getötet. Er hat Politiker von Weltrang beleidigt und lässt seit Wochen Bomben auf die umkämpfte Stadt Marawi regnen. Eine Frage, für die sich derzeit viele interessieren, lautet deshalb, warum seine Beliebtheitswerte im Land nun sogar noch höher sind als je zuvor. 78 Prozent der Befragten sollen mit ihm zufrieden sein.

          Da der Präsident das Wochenende laut Ankündigung in Davao verbringen würde, der Stadt, deren Bürgermeister er 23 Jahre lang war und die er fast im Wochentakt besucht, erschien die Gelegenheit für ein Überfallinterview günstig. Zum Ende des anstehenden muslimischen Zuckerfests hatte Duterte oft öffentliche Veranstaltungen besucht. Doch der Präsident taucht stattdessen für einige Tage unter. Offiziell wird seine Abwesenheit damit begründet, dass er sich ausruhen müsse. Die Aufregung um die Kämpfe in der südphilippinischen Stadt Marawi habe ihn erschöpft.

          Das Warten auf Präsidententermine bietet Gelegenheit, sich in Davao umzuhören. Am Rathaus lassen sich Touristen vor einem Panzer fotografieren. Dieser steht dort seit der Verhängung des Kriegsrechts über die südphilippinische Insel Mindanao, das, so kündigt es Dutertes Sprecher am Dienstag an, bis zum Jahresende verlängert werden soll, um die islamistischen Rebellen in der Region bekämpfen zu können. Die Passanten loben „ihren“ Präsidenten. „Er hat keine Angst zu tun, was er für richtig hält“, sagt eine Studentin. „Er geht gegen korrupte Politiker vor“, sagt der Verkäufer Sammy Abdulsalam. „Duterte tut viel für die Armen“, sagt die 25 Jahre alte Jennifer Lanousan. Nur eine Muslimin, die Familie in Marawi hat, kritisiert Duterte für die Luftangriffe auf die Stadt, weil diese die Zivilisten träfen.

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