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Philippinen : Duterte: Ich habe persönlich Menschen getötet

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Will seine Politik trotz heftiger internationaler Kritik nicht ändern: der philippinische Präsident Rodrigo Duterte Bild: AP

„In Davao habe ich das persönlich gemacht“: Der philippinische Präsident Duterte brüstet sich in seinem brutalen Kampf gegen Drogenkriminelle damit, früher selbst mutmaßliche Kriminelle umgebracht zu haben.

          Der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte hat sich damit gebrüstet, in seiner Zeit als Bürgermeister von Davao eigenhändig mutmaßliche Kriminelle getötet zu haben. Wie am Mittwoch bekannt wurde, machte Duterte die Äußerung bereits am Montagabend, als er bei einer Rede vor Geschäftsleuten über das Töten von Verdächtigen durch die Polizei sprach.

          „In Davao habe ich das persönlich gemacht. Nur um den Jungs (von der Polizei) zu zeigen: ,Wenn ich das tun kann, warum nicht auch Ihr?'“, sagte Duterte in seiner Rede im Präsidentenpalast in Manila. Er sei auf einem Motorrad durch die südphilippinische Stadt patrouilliert und habe regelrecht „nach Ärger gesucht“. „Ich habe wirklich die Konfrontation gesucht, so dass ich töten konnte“, fügte der Präsident hinzu.

          Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Politikern wie dem amerikanischen Präsidenten  Barack Obama an seinem Vorgehen wies Duterte zurück. Wenn diese hofften, dass er seinen Feldzug gegen die Kriminalität beende, täuschten sie sich: „Tut mir leid, ich habe nicht vor, das zu tun“, sagte Duterte in der Rede.

          „Ich habe wirklich die Konfrontation gesucht, so dass ich töten konnte“: Duterte über seine Zeit als Bürgermeister

          Der philippinische Staatschef führt einen erbitterten Kampf gegen Drogenkriminelle in seinem Land und wird für sein hartes Vorgehen international scharf kritisiert. Seit Dutertes Amtsantritt Ende Juni tötete die Polizei nach eigenen Angaben bei Polizeieinsätzen 2102 Menschen.

          Die Polizei ermittelt zudem bei 3993 Tötungen im Zeitraum vom 1. Juli bis 12. Dezember zu möglichen Verbindungen zum Drogenkrieg. Knapp 41.000 mutmaßliche Drogenhändler und -nutzer wurden festgenommen, mehr als 908.000 meldeten sich freiwillig bei der Polizei.

          Oftmals wurden gefesselte Leichen in Straßen oder Hinterhöfen gefunden, viele mit Schildern mit der Aufschrift: „Ich bin ein Drogenhändler. Sei nicht wie ich.“ Todesschwadronen, Auftragskiller oder auch Drogengangs könnten für manche Morde verantwortlich sein, so die Behörden. Menschenrechtsorganisationen, UN, EU und die Vereinigten Staaten kritisierten den Drogenkrieg scharf.

          Vergleich mit Judenvernichtung in der NS-Zeit

          Menschenrechtsaktivisten gehen davon aus, dass die Opfer von Bürgerwehren, Auftragsmördern oder auf eigene Faust handelnden Sicherheitskräften getötet wurden. Duterte wird zudem vorgeworfen, während seiner langjährigen Amtszeit als Bürgermeister von Davao Todesschwadronen befehligt zu haben, die mehr als tausend mutmaßliche Kriminelle töteten.

          Ende September sorgte Duterte für Empörung, indem er sich selbst mit Adolf Hitler verglich und seinen Kampf gegen Drogenabhängige mit der Judenvernichtung in der NS-Zeit.

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