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Personenschützer : Bittbriefe aus Tripolis

Jetzt werden 700 Urlaubsanträge überprüft: SEK-Beamte beim Training Bild: dpa

Für ihre Engagements nahmen sie Urlaub, feierten krank und kassierten gutes Geld. Deutsche Fachkräfte sind begehrt als Ausbilder für Personenschützer - manchmal offiziell, manchmal illegal.

          4 Min.

          Die deutsche Gemeinde in Tripolis ist überschaubar. Dort lernen sich die Deutschen schnell kennen. Es muss nicht unbedingt bei einem Spiel der libyschen Fußball-Liga sein. Dort soll Volker Bergmann, ehemaliger Kämpfer der Spezialtruppe GSG 9 und damals Chef der privaten Sicherheitsfirma BDB Protection, im November 2005 zum ersten Mal den stellvertretenden deutschen Botschafter sowie den Residenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Tripolis getroffen haben. Denen erzählte Bergmann von der Ausbildung libyscher Polizisten, die er leite, von seinen guten Kontakten zum Bundeskriminalamt (BKA) und zur Bundeswehr.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der BND-Mann für seinen Teil berichtete von diesen und folgenden Gesprächen mit Bergmann und weiteren Mitarbeitern der Firma; in vier Berichten rapportierte er der BND-Zentrale, was die Deutschen, deren Zahl er mit etwa zwölf Mann angab, dort taten. Alle Mitarbeiter von BDB Protection sollen sich als ehemalige Angehörige der GSG 9 und diverser Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei vorgestellt haben.

          Urlaubsanträge von 700 SEK-Beamten werden geprüft

          Insgesamt arbeiteten binnen eines halben Jahres etwa 40 Deutsche in Tripolis für Bergmanns Firma. Sie hätten, so berichten nun Ex-Beamte, 120 Mann der libyschen Polizei und 30 Mann des Geheimdienstes von Diktator Muammar el Gaddafi zu Personenschützern ausgebildet. Neben Ehemaligen waren mindestens ein Dutzend aktive Polizisten und Soldaten beteiligt. Für ihre Engagements in Tripolis nahmen sie Urlaub, feierten krank und kassierten gutes Geld. Die Ehemaligen bekamen im Monat 4000 Euro auf die Hand, die „Aktiven“ erheblich mehr. Gegen acht Polizisten aus Nordrhein-Westfalen wird derzeit ermittelt, gegen drei weitere aus Baden-Württemberg. Die Beamten sollen gegen Dienstrecht verstoßen haben, denn eine Erlaubnis für ihre Nebentätigkeit hatten sie nicht; sie hätten sie auch niemals bekommen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolff (FDP) lässt nun alle Urlaubsanträge von etwa 700 SEK-Beamten aus den vergangenen Jahren prüfen.

          Zudem ist ein Hauptfeldwebel der Bundeswehr betroffen; er ist vom Dienst suspendiert. Das Disziplinarverfahren gegen ihn zieht sich seit fast zwei Jahren hin. Der Mann soll Mitarbeiter einer Berliner Sicherheitsfirma sein, die auf ihrer Homepage auch den Schutz der libyschen Botschaft im Südwesten Berlins als Referenz ausweist. Ob weitere aktive Soldaten der Bundeswehr an den Schulungen der BDB Protection beteiligt waren, ist bisher unklar - ehemalige Beamte, die an dem Einsatz teilnahmen, behaupten das.

          DAS BKA war in Tripolis - angeblich, ohne von der BDB Protection zu wissen

          Noch während Bergmanns Firma Gaddafis Polizei- und Geheimdienstleute ausbildete, suchte die libysche Regierung in Berlin Hilfe für die Schulung ihrer Personenschützer. Kontakte zum deutschen Innenministerium hatte es schon unter der rot-grünen Regierung seit 2003 gegeben. Damals hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder erstmals Gaddafi getroffen. Der Führer des nordafrikanischen Staates hatte gerade eine außenpolitische Kehrtwende vollzogen, sich von der Finanzierung des Terrorismus losgesagt und Pläne für eine atomare Bewaffnung aufgegeben. Eine Sicherheitspartnerschaft mit Gaddafis Staat ist nicht zuletzt im Anti-Terror-Kampf in deutschem Interesse. Denn Al Qaida rekrutiert viele seiner Kämpfer in Libyen.

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