https://www.faz.net/-gpf-9o9re

Personalpoker in Brüssel : Politik brutal

Manfred Weber auf dem Weg in die Münchner CSU-Zentrale Bild: SvenSimon

Zwei Regierungschefs haben diese Woche das Europäische Parlament entmachtet. Das Nachsehen hat Manfred Weber – wenn die Abgeordneten sich nicht wehren.

          6 Min.

          Am Donnerstagmorgen kam es in Brüssel zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen vier Fraktionsvorsitzenden. Erstmals trafen Manfred Weber, Fraktionschef der christlich-demokratischen EVP, und sein Kollege von den Grünen zwei neue Kollegen. Die Spanierin Iratxe Garcia leitet jetzt die sozialdemokratische Fraktion, der Rumäne Dacian Ciolos die Liberalen, die sich in „Europa erneuern“ umbenannt haben. Es ging aber nicht um ein nettes Kennenlernen mit Smalltalk. Die Spanierin kam schnell zur Sache: Weber solle es nicht persönlich nehmen, aber man werde ihn keinesfalls als Kommissionspräsidenten unterstützen. Der Rumäne sekundierte ihr. Politik kann brutal sein, das war ein solcher Moment.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Schlag traf Weber nicht unerwartet. Er hatte über einen vertraulichen Kanal schon 24 Stunden vorher von dem geplanten Manöver erfahren. Hinter der Aktion steckten zwei mächtige Regierungschefs: der Spanier Pedro Sánchez, ein Sozialdemokrat, und der Franzose Emmanuel Macron, der jetzt zu „Europa erneuern“ gehört. Beide Politiker hatten sich sofort nach der Europawahl getroffen und dann eng abgestimmt, zuletzt beim Treffen der Südeuropäer ein paar Tage zuvor. Ihr gemeinsames Ziel: Weber verhindern.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Krankhaftes Sexualverhalten : Wenn die Lust zur Qual wird

          Ähnlich wie Drogen- und Spielsüchtige sind auch Sexbesessene darauf aus, sich stets neue „Kicks“ zu verschaffen. Vielen Patienten könne eine Verhaltenstherapie helfen, sagen Forscher. Jedoch hilft nicht jeder Lösungsansatz.