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Manöver im Persischen Golf : Iran beschießt eigenes Marineschiff

Mit einer Rakete versehentlich ein Hilfsschiff getroffen: die iranische Korvette „Dschamaran“, hier Ende Dezember im Indischen Ozean Bild: AFP

Das Ansehen der iranische Streitkräfte bekommt einen weiteren Kratzer. Bei einer Militärübung in der Straße von Hormuz sterben 19 Soldaten, zahlreiche werden verletzt.

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          Die iranische Marine hat zum zweiten Mal seit Anfang 2018 ein Schiff infolge eigener Fehler verloren. Am Sonntag hat das Fregattenschiff Dschamaran bei einem Manöver im Golf von Oman das Versorgungsschiff Konarak irrtümlich beschossen und stark beschädigt. Im Januar 2018 war die Fregatte Damawand im Kaspischen Meer während eines Sturms auf Grund gelaufen und gesunken.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Bei dem Zwischenfall am Sonntag wurden 19 Marinesoldaten getötet und 20 verwundet, teilten die iranischen Staatsmedien mit. Gewöhnlich berichten iranische Medien nicht über Manöverunfälle. Der Zwischenfall, der sich südlich des Hafens Dschask nahe der Einfahrt in die Straße von Hormuz ereignet hat, war jedoch so schwerwiegend, dass die Marine eine Erklärung dazu abgab. Fotos zeigen das zerstörte Schiff im Hafen vom Dschask.

          Bei dem Manöver sei die Schiffsrakete Noor getestet worden, schreibt die britische Fachzeitschrift Jane‘s. Die abgefeuerte Rakete sei keine Neuentwicklung, sondern seit Jahren fester Bestandteil des Raketenarsenals der iranischen Marine. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf die iranischen Revolutionswächter, für das Unglück sei ein „menschlicher Fehler“ verantwortlich, an Bord der Konarak hätten sich 40 Matrosen befunden. Das knapp 50 Meter lange Schiff aus dem Jahr 1988 war erst vor zwei Jahren nach einer umfassenden Modernisierung wieder in Dienst gegangen.

          Das Manöver fand statt, nachdem im April die Spannungen im Persischen Golf zugenommen hatten. Die in Bahrein stationierte 5. amerikanische Flotte erklärte am 15. April, mehrere Schiffe der iranischen Marine hatten sich „gefährlich und provozierend“ dem amerikanischen Expeditionsbasisschiff USS Puller im Persischen Golf genähert und dessen Kurs geschnitten. Eine Woche später drohte der amerikanische Präsident Donald Trump, wenige Stunden nachdem der Sender Fox News ausführlich über den Zwischenfall berichtet hatte, er habe die Marine angewiesen, jedes iranische Schiff abzuschießen, das ein amerikanisches Schiff belästige.

          Zwischenfall schadet Ansehen von Irans Militär

          Im vergangenen Dezember hatten bereits kleine und schnelle iranische Marineboote im Persischen Golf den amerikanischen Flugzeugträger USS Abraham Lincoln bedrängt. Kurz danach begann am 27. Dezember das erste gemeinsame Marinemanöver Irans mit Russland und China. Das viertägige Manöver im Indischen Ozean sei eine Antwort auf die gemeinsamen amerikanisch-saudischen Manöver in der Region, erklärte damals die iranische Führung.

          Der Beschuss des Versorgungsschiffes Konarak durch eigene Truppen schwächt weniger die Flottenstärke von Irans Marine, als dass er der Glaubwürdigkeit des iranischen Militärs weiter schadet. Erst am 8. Januar hatte die iranische Flugabwehr irrtümlich nahe Teheran ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen.

          Das iranische Militär, voran die Revolutionswächter, versucht derzeit, sich als kompetente Institution im Kampf gegen Covid-19 zu präsentieren, die sich in ihrer Effizient von dem Vorgehen der zivilen Regierung abhebe. Der Zwischenfall vom Sonntag dürfte diesem Bild schaden.

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