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Pentagon zum Syrien-Einsatz : „Ihre Fähigkeit ist zerstört“

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Generalleutnant Kenneth F. McKenzie: „Sie hatten drei Stockwerke im Parkhaus, jetzt gibt es kein Parkhaus mehr.“ Bild: AFP

Der Luftschlag habe das Herz der syrischen Chemiewaffenproduktion getroffen. Das teilt der Vorsitzende des amerikanischen Generalstabs mit. Menschenrechtler bezweifeln, dass alle Raketen ihre Ziele erreicht haben.

          Die Vereinigten Staaten gehen nach Aussage des Pentagons davon aus, dass der Angriff des Militärs in Syrien erfolgreich war. „Es ging darum, das Herz der syrischen Chemiewaffenproduktion zu treffen“, sagte der Vorsitzende des amerikanischen Generalstabs, Generalleutnant Kenneth F. McKenzie, am Samstag. Es sei darum gegangen, das Herz der syrischen Chemiewaffenproduktion zu treffen. Auf die Frage, wie erfolgreich der Einsatz gewesen sei, antwortete McKenzie mit einem Vergleich: „Sie hatten drei Stockwerke im Parkhaus, jetzt gibt es kein Parkhaus mehr.“ Ihre Fähigkeit sei stark beschädigt. Ob das Assad-Regime noch über Restbestände verfüge, wollte der General indes nicht ausschließen.

          McKenzie wiederholte die Darstellung, wonach drei Ziele angegriffen worden seien: eine Forschungseinrichtung in Barsah nördlich von Damaskus, eine Lagerstätte westlich der Stadt Homs sowie ein weiteres Depot nahe Homs. Insgesamt seien 105 Geschosse abgefeuert worden Die Raketen hätten vom Abschuss bis zum Ziel ein bis zwei Minuten gebraucht. Sie hätten alle ihre Ziele getroffen. Derzeit wisse man nichts von getöteten Zivilisten, fügte der General hinzu.

          Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte trat der Darstellung entgegen. Die Einschätzung des Pentagon sei nicht korrekt, sagte der Leiter der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Einige der Geschosse hätten ihre Ziele getroffen, andere nicht. Das russische Verteidigungsministerium hatte am Morgen gemeldet, dass die syrische Luftabwehr zwölf Geschosse im Anflug auf den Militärflughafen Dumair bei Damaskus abgefangen habe. Die
          Beobachtungsstelle bestätigte, dass „Raketen“ abgefangen worden seien  Russlands
          Angaben zufolge wurden insgesamt 71 von 103 Marschflugkörpern abgeschossen.

          McKenzie sagte weiter, als Reaktion auf den Angriff habe die syrische Armee 40 Raketen abgefeuert. Aber viele seien erst nach dem Angriff abgefeuert worden und es habe sich nicht um Präzisionsraketen gehandelt. Das syrische Vorgehen habe keine Auswirkung auf den Einsatz gehabt. Die Maßnahmen seien „ineffektiv“ gewesen und zudem „gefährlich“ für die syrische Zivilbevölkerung. Es gebe derzeit keinen Hinweis darauf, dass das russische Luftabwehrsystem eingesetzt worden sei, sagte McKenzie.

          Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, Frankreichs und Großbritanniens hatten in der Nacht zum Samstag Ziele in Syrien angegriffen - als Vergeltung für einen mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in dem Bürgerkriegsland, für den sie die syrische Regierung verantwortlich machen.

          Sorge vor eventuellen Vergeltungsmaßnahmen habe man nicht, so McKenzie mit Blick auf die Vereinigten Staaten und ihre Streitkräfte. „Wir sind absolut darauf eingestellt, im Nahen Osten und auf der ganzen Welt.“

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