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Verschwundene Tennisspielerin : Peking zeigt, was Willkür ist

Dieses von chinesischen Medien am 21. November verbreitete Bild soll belegen, dass die Tennisspielerin Peng Shuai wohlauf ist. Bild: via REUTERS

Andere Verbrechen des chinesischen Regimes haben größere Ausmaße als der Umgang mit Peng Shuai. Aber ihr Fall zeigt, was Diktatur für den einzelnen bedeuten kann.

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          In der langen Liste der derzeitigen Untaten des kommunistischen Regimes in China scheint das Verschwindenlassen einer Profitennisspielerin eine der geringeren zu sein. Doch das Schicksal Peng Shuais überstrahlt dieser Tage die massenhafte Repression gegen Tibeter und Uiguren, die Niederschlagung der Proteste in Hongkong, die Verfolgung religiöser Gruppen und die Inhaftierung von Bürgerrechtlern.

          Der Grund dafür ist offensichtlich: Hier wird am Schicksal eines einzelnen Menschen deutlich, was Willkürherrschaft bedeutet. Man kann unter ihre Räder geraten, ohne sich gegen das Regime zu stellen. Es reicht, dass man im falschen Moment den Weg eines Mächtigen kreuzt. Wie viele Menschen in China haben mit einem Funktionär wohl Ähnliches erlebt wie Peng Shuai?

          Für das Regime liegt die Brisanz des Falls darin, dass er sich an einer Schnittstelle von geschlossener Gesellschaft und Weltöffentlichkeit abspielt, an der Totschweigen allein nicht mehr hilft. China demonstriert gerade vor aller Welt seine Unfähigkeit, mit Fehlverhalten in den eigenen Reihen umzugehen. Dass gleichzeitig deutlich wird, dass es nicht vollkommen unempfindlich für Druck von außen ist, kann eine Chance für Peng Shuai sein. Vor allem aber sollten die demokratischen Staaten daraus den Schluss ziehen, dass es sinnvoll ist, gegenüber Peking in die Offensive zu gehen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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