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Peking-Massaker 1989 : „Die Tragödie hätte vermieden werden können“

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Pekings ehemaliger Bürgermeister Chen Xitong (links) im Gespräch mit dem Publizisten Yao Jianfu Bild: REUTERS

Der ehemalige Pekinger Bürgermeister Chen Xitong erinnert in einem Buch an das Massaker von 1989. Er ist der erste verantwortliche Politiker, der sein Bedauern ausdrückt. Schuldig bekennt er sich nicht.

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          Knapp 24 Jahre nach der Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung hat erstmals ein damals verantwortlicher Politiker Bedauern über den Tod von demonstrierenden Bürgern und Studenten ausgedrückt. Das Blutvergießen in der Innenstadt von Peking war eine Tragödie, die hätte vermieden werden können, sagt der damalige Bürgermeister von Peking, Chen Xitong, in einem Buch, das an diesem Freitag in Hongkong erscheinen soll. Der heute 81 Jahre alte Chen galt als einer Verfechter eines harten Vorgehens gegen die Studenten und hat in den Jahren nach 1989 die Entscheidung der Parteiführung, die „Volksbefreiungsarmee“ gegen die Demonstranten zu schicken immer verteidigt.

          Chen Xitong: „Ich bedaure das“

          Die offizielle Darstellung der Ereignisse mit dem Titel „Die Unterdrückung der Unruhen und Niederschlagung der konterrevolutionären Rebellion“ erschien unter seinem Namen. „Mehrere hundert Menschen starben an dem Tag. Als Bürgermeister bedauere ich das“, sagte Chen Xitong in Gesprächen mit dem Publizisten Yao Jianfu. Chen gab zu Protokoll, er habe auf eine friedliche Lösung des Konfliktes gehofft. Politbüromitglied Chen Xitong blieb nach den Ereignissen des 4. Juni noch fünf Jahre im Amt. 1995 wurde er wegen Korruption gestürzt und zu 14 Jahren Haft verurteilt. 2004 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen. In dem Buch beteuert Chen Xitong seine Unschuld und versichert, er habe sich nie schuldig bekannt. Er sei ein Sündenbock in einer politischen Intrige gewesen.

          Ein Tabu in China

          Die Ereignisse des Jahres 1989 sind in China ein Tabu. Die offizielle Version, dass es sich um eine konterrevolutionäre Rebellion gehandelt habe, gilt immer noch, während inoffiziell jetzt gesagt wird, ohne ein hartes Vorgehen wären Chinas Stabilität und seine wirtschaftliche Entwicklung gefährdet gewesen. Im Frühjahr 1989 hatten Peking Zehntausende von Studenten gegen Korruption und für mehr Demokratie demonstriert. Zentrum der Demonstrationen war der Platz des Himmlischen Friedens in Peking, wo schließlich Hunderte in Hungerstreik traten. Nach allen bislang bekannten Berichten hat der Parteipatriarch Deng Xiaoping den Militäreinsatz angeordnet. Nach Schätzungen sind mehrere hundert Studenten und Bürger dabei getötet worden.

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