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Passagierflugzeug über Ukraine abgeschossen : Biden bestätigt Abschuss – Verräterische Äußerungen

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Zudem wurde laut „Kyiv Post“ ein Telefongespräch zwischen einem Separatisten-Führer und einem russischen Geheimagenten abgehört. Darin berichtet der Separatistenführer von dem Abschuss. Sollte der Mitschnitt echt sein, deutet vieles darauf hin, dass die Separatisten ein ukrainisches Militärflugzeug abschießen wollten und das Passagierflugzeug irrtümlich getroffen haben.

Anton Geratschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, teilte im sozialen Netzwerk Facebook mit, das Flugzeug sei in der Nähe des Ortes Tores mit einem „von Putin freundlicherweise ausgehändigten“ Mittelstrecken-Flugabwehrraketensystem des Typs „Buk“ abgeschossen worden. Am Donnerstagmorgen hätten Ukrainer, die Geratschenko als „örtliche Patrioten“ bezeichnete, die Überführung dieses Systems von Tores in die Kleinstadt Snischne gemeldet. „Europa, USA, Kanada, zivilisierte Welt – öffne Deine Augen“, schrieb Geratschenko weiter. „Dies ist ein Krieg des Guten mit dem Bösen.“

Ein Separatist an der Absturzstelle Bilderstrecke

Kurz vor den ersten Nachrichten über den Absturz der malaysischen Boeing 777 hatten Kämpfer der „Volksrepublik Luhansk“ mitgeteilt, sie hätten ein Transportflugzeug An-26 der ukrainischen Armee abgeschossen. Am Mittwochabend war laut dem ukrainischen Nationalen Sicherheitsrat ein ukrainisches Flugzeug über ukrainischem Gebiet von einem russischen Kampfflugzeug abgeschossen worden. Das russische Verteidigungsministerium wies diesen Vorwurf als „absurd“ zurück.

Andrej Purgin, „stellvertretender Ministerpräsident“ der „Volksrepublik Donezk“, äußerte im russischen Staatssender Rossija 24, das ukrainische Militär habe die Boeing womöglich für ein russisches „Spionageflugzeug“ gehalten. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete, Russen seien nicht an Bord gewesen. Rossija 24 zeigte Aufnahmen, die angeblich vom Absturzort stammten.

Der Kreml teilte mit, Präsident Wladimir Putin habe den amerikanischen Präsidenten Barack Obama in einem Telefongespräch über die „Katastrophe“ auf „dem Gebiet der Ukraine“ informiert. Das russische Staatsfernsehen erinnerte seine Zuschauer mehrfach an den Absturz eines russischen Passagierflugzeugs der Linie „Sibir“ im Jahr 2001. Damals waren 78 Menschen ums Leben gekommen.

Am Donnerstag hatten sich weitere Hinweise auf ein militärisches Eingreifen Russlands in die Kämpfe in der Ostukraine gemehrt. So sind im Internet Videos aufgetaucht, die nahelegen, dass ukrainische Einheiten im Grenzgebiet von russischem Territorium aus mit Raketen beschossen werden. Die ukrainische Führung gab außerdem an, nahe dem umkämpften Grenzübergang Iswarino seien Kämpfer in russischen Uniformen ohne Hoheitsabzeichen gesehen worden. Das entspricht dem später von Präsident Wladimir Putin zugegebenen Vorgehen der russischen Armee bei der Besetzung der Krim im März.

Die Separatisten teilten mit, es sei ihnen in der Umgebung von Luhansk gelungen, die ukrainische Armee aus einigen Ortschaften zu verdrängen. Von der ukrainischen Regierung wurde das zunächst nicht bestätigt, doch dass die Armee zunehmend unter Druck gerät, geht auch aus ukrainischen Berichten hervor. In Moskau kündigte der Donezker Separatistenführer Denis Puschilin an, die prorussischen Kräfte wollten die Stadt Slawjansk zurückerobern, aus der sie sich am 6. Juli zurückgezogen hatten.


„Wir werden den ukrainischen Luftraum bis auf weiteres nicht mehr überfliegen und haben heute bereits vier Maschinen umgeleitet“, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels der „Rheinischen Post“. Die Regelung gelte, bis der Vorfall geklärt sei und der ukrainische Luftraum wieder als sicher eingestuft werde. Condor überfliegt die Ukraine bereits seit April nicht mehr.

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