https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/partygate-boris-johnson-uebernimmt-angeblich-volle-verantwortung-18058744.html

„Partygate“-Affäre : Boris Johnson bleibt sich treu

  • -Aktualisiert am

Vorwärtsverteidigung: Boris Johnson am Mittwoch im Unterhaus Bild: AFP

Boris Johnson übernimmt angeblich die „volle Verantwortung“ für die Gesetzesbrüche, die laut „Partygate“-Untersuchungsbericht unter seiner Ägide vorgekommen sind. Wenn er seine Worte ernst nähme, hätte er zurücktreten müssen.

          1 Min.

          Boris Johnson geht in vielen Lebenslagen die nötige Ernsthaftigkeit ab - es sei denn, es geht um das eigene Wohlergehen. Das hat er auch nach der Veröffentlichung des Gray-Berichts über Gesetzesverstöße in Downing Street während des Corona-Lockdowns bewiesen. Der Bericht selbst lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Das spricht für die Chefin der Untersuchung. Sue Gray hat sich nicht „einwickeln“ lassen.

          Und Johnson? Der tut das, was er seit Monaten ausgiebig geübt hat. Er gibt das zu, was sich nicht (mehr) leugnen lässt. Und er sagt routiniert immer wieder „sorry“. Dass es diesen Bitten um Entschuldigung an Ernsthaftigkeit fehlt, hat dieser Mittwoch ebenfalls gezeigt. Wenn er es nämlich ernst meinte mit der „vollen Verantwortung“, die er, wie er sagte, für das übernehme, was unter seiner Ägide und Verantwortung geschehen sei, dann hätte er es nicht bei schlichten Bitten um Entschuldigung bewenden lassen können und dürfen.

          Sie haben genug: Demonstranten am Mittwoch in London
          Sie haben genug: Demonstranten am Mittwoch in London : Bild: AFP

          Das Mindeste, was man nach der Veröffentlichung des Gray-Berichts sagen kann, ist dies: Johnson hat zugegeben, dass er die Dinge in Downing Street entweder nicht mehr unter Kontrolle hatte, oder es war ihm egal, ob Untergebene und letztlich auch er selbst Corona-Regeln wissentlich und willentlich mit Füßen traten. Beide Möglichkeiten müssten für einen ernsthaften Politiker einen Rücktritt zwangsläufig nach sich ziehen. Aber genau das, ein ernsthafter Politiker nämlich, ist Johnson ja nicht.

          Die Konservative Partei hat sich in ihrer übergroßen Mehrheit bisher auf den Standpunkt gestellt, man dürfe solange den Stab über einen erfolgreichen Politiker brechen, wie nicht alle Fakten auf dem Tisch lägen. Die liegen nun offen zutage. Und zu sagen, der Premier komme dabei nicht wirklich gut weg, wäre eine sehr britische Untertreibung. Boris Johnson hat von diesem Tag an seine Partei in politische Sippenhaft genommen. Die Partei wird es irgendwann bereuen. Johnson selbst, das hat er bei einer Pressekonferenz deutlich gemacht, hält sich weiterhin für unersetzlich. Es wird spannend sein zu sehen, wie lange das die Menschen in Großbritannien auch noch so sehen.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Weitere Themen

          CDU und Grüne stimmen Koalitionsvertrag zu

          Schleswig-Holstein : CDU und Grüne stimmen Koalitionsvertrag zu

          Auf Parteitagen in Neumünster haben CDU und Grüne dem gemeinsamen Koalitionsvertrag zugestimmt. Bei den Grünen war der Redebedarf groß, bei der CDU gab es nur eine kurze Aussprache – und einen Coup bei den Ministerposten.

          Topmeldungen

          Ihm ist bei der Besetzung der Ministerien ein Coup gelungen: der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (Mitte), am Montagabend in Neumünster mit dem designierten Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (links)

          Schleswig-Holstein : CDU und Grüne stimmen Koalitionsvertrag zu

          Auf Parteitagen in Neumünster haben CDU und Grüne dem gemeinsamen Koalitionsvertrag zugestimmt. Bei den Grünen war der Redebedarf groß, bei der CDU gab es nur eine kurze Aussprache – und einen Coup bei den Ministerposten.
          Ort für schöne Ideen: Schloss Elmau

          G-7-Gipfel : Das 600-Milliarden-Luftschloss

          Der Westen will Tatkraft ausstrahlen. Dafür haben sie in Elmau ein 600-Milliarden-Dollar-Programm angekündigt, mit dem sie Chinas Einfluss auf die Welt in Schach halten wollen. Doch viele Details sind noch unklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.