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Parlamentswahlen in Südafrika : ANC gewinnt mit gut 65 Prozent der Stimmen

  • -Aktualisiert am

Triumph für Jacob Zuma: Er wird der nächste südafrikanische Präsident Bild: dpa

Nach Auszählung von rund 30 Prozent der Wahlbezirke zeichnet sich bei den Parlamentswahlen in Südafrika der Sieg der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) unter Jacob Zuma ab. Nur mit der bisherigen Zwei-Drittel-Mehrheit der Partei wird es knapp.

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          Es waren Bilder wie bei den ersten freien Wahlen in Südafrika 1994: Endlos scheinende Schlangen von Menschen, die in Decken gehüllt der Kälte des südafrikanischen Winters trotzten und stundenlang geduldig darauf warteten, ihre Stimme abgeben zu können.

          Wenn die ersten Schätzungen der Wahlkommission zutreffen, wonach die Wahlbeteiligung bei den vierten Wahlen seit dem Ende der Apartheid am Mittwoch bei rund 80 Prozent gelegen haben soll, dann waren es mindestens 18 Millionen Menschen, die sich von Kapstadt bis Messina aufgemacht hatten, ein neues Parlament und neue Regionalregierungen für die neun Provinzen zu wählen. Von der Politikverdrossenheit, über die zuvor geredet worden war, war nichts zu sehen.

          Neue Partei „Congress of the people“ nur bei gut acht Prozent

          Nach Auszählung von rund 30 Prozent der Wahlbezirke zeichnete sich am Donnerstagabend der erwartete Sieg der Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) ab, womit Parteipräsident Jacob Zuma als neuer südafrikanischer Präsident feststeht. Das Staatsoberhaupt wird in Südafrika vom Parlament gewählt. Gleichwohl droht dem ANC der Verlust seiner bisherigen Zweidrittelmehrheit im Parlament. Am Abend lag die Partei bei 65,4 Prozent.

          Der 90 Jahre alte Nelson Mandela gibt seine Stimme in Johannesburg ab
          Der 90 Jahre alte Nelson Mandela gibt seine Stimme in Johannesburg ab : Bild: dpa

          Die Ergebnisse für die neue Partei „Congress of the People“ (Cope) pendelten sich bei acht bis neun Prozent ein, was den Prognosen der Wahlforschungsinstitute entspricht. Getäuscht aber haben sich die Forscher bei den Ergebnissen für die „Democratic Alliance“ (DA) um die Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille, der sie Verluste von zwei Prozentpunkten prognostiziert und die Partei bei bestenfalls zehn Prozent aller Stimmen gesehen hatten. Die DA hat nach vorläufigen Ergebnissen landesweit zulegen können und wird die Marke von 15 Prozent vermutlich überschreiten. In der Provinz Western Cape hat die DA zudem den ANC als stärkste Partei abgelöst, womit Zille ihrem Ziel, Ministerpräsidentin der Provinz zu werden, ein gutes Stück näher gekommen ist.

          Stimmabgabe in Mülltonnen nötig

          Beeindruckend an dieser Wahl war zudem ihr friedlicher Verlauf, obwohl sich die Parteien im Wahlkampf nichts geschenkt hatten. Selbst aus der zu Wahlzeiten notorisch unruhigen Provinz KwaZulu-Natal wurden keine Zusammenstöße gemeldet. Gleichwohl wurde in der Provinz eine Mitarbeiterin der Wahlkommission festgenommen, die beim versuchten Wahlbetrug zugunsten der Regionalpartei „Inkatha Freedom Party“ erwischt worden war. Landesweit wurden 59 Mitarbeiter der Wahlkommission wegen versuchter Manipulation der Wahlzettel suspendiert, doch muss dies in Relation zur absoluten Zahl von 200.000 Wahlhelfern in mehr als 19.000 Wahlbüros gesehen werden. In der Provinz Eastern Cape war am Mittwochabend ein Vertreter von Cope erschossen worden, wobei nicht klar ist, ob es sich dabei um eine politisch motivierte Tat handelte oder um einen Raubmord.

          Reibungslos aber ist die Wahl gleichwohl nicht verlaufen, was damit zusammenhängt, dass die Wähler nicht dort wählen mussten, wo sie registriert sind, sondern vielmehr frei waren, überall im Land ihre Stimme abzugeben. Gegen Mittag waren deshalb vielen Wahlbüros die Wahlzettel ausgegangen und die Urnen obendrein. Während das Problem der Wahlzettel derart gelöst wurde, dass überschüssige Zettel aus weniger gut besuchten Wahlbüros in die unter dem Andrang der Wähler stöhnenden transportiert wurden, wurde das Problem der fehlenden Urnen auf pragmatische Art gelöst: Man behalf sich mit Mülltonnen. Die vorübergehende Knappheit an Wahlzetteln aber führte dazu, dass zahlreiche Wahlbüros bis weit nach 21 Uhr, dem offiziellen Ende des Wahltages, geöffnet blieben. Mit den offiziellen Endergebnissen wird für Freitagabend oder Samstag gerechnet.

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