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Russland
Estland, Lettland und Litauen
Flagge Die baltischen Länder sind die drei einzigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die der EU und der Nato angehören. Ihr Verhältnis zu Russland ist stark von der Geschichte geprägt: Die drei Länder kamen infolge des Hitler-Stalin-Paktes 1940 unter sowjetische Herrschaft. Bis zu Stalins Tod wurden aus dem Baltikum Hunderttausende nach Sibirien deportiert, viele kamen dort um.

Moskau erkennt die Okkupation der drei Länder bis heute nicht als solche an, sondern vertritt die Ansicht, sie hätten sich der Sowjetunion freiwillig angeschlossen. Infolge der sowjetischen Politik sind in Estland fast ein Drittel der Einwohner russischsprachig, in Lettland etwas mehr als ein Drittel. In beiden Ländern besteht die Furcht, Russland könne Konflikte zwischen der Mehrheit und dieser Minderheit anheizen, über deren angebliche Diskriminierung sich Moskau immer wieder beklagt.


Weißrussland
Flagge In Weißrussland hat es, anders als im Baltikum und der Ukraine, keine starke Unabhängigkeitsbewegung gegeben. Die Trennung von Russland wurde in den neunziger Jahren von vielen Weißrussen als unnatürlich empfunden. Im Alltag wird deutlich mehr russisch als weißrussisch gesprochen.

Präsident Aleksandr Lukaschenka, wurde 1994 auch deshalb mit einer großen Mehrheit gewählt, weil er für einen weißrussisch-russischen Unionsstaat eintrat. Weißrussland gehört zur Zollunion mit Russland und Kasachstan, die zum 1. Januar 2015 zur Eurasischen Union umgewandelt wird. Die Beziehungen zwischen Weißrussland und Russland sind dennoch schwierig: Lukaschenka, der über die Jahre eine immer härter werdende Diktatur errichtet hat, will seine Macht nicht durch Moskau einschränken lassen. Die immer noch zu großen Teilen planwirtschaftlich organisierte Wirtschaft Weißrusslands ist aber in starkem Maße von Russland abhängig.


Ukraine
Flagge Die Ukraine sollte nach den Plänen Moskaus ein wichtiger Bestandteil der künftigen Eurasischen Union werden: Ohne den bevölkerungsmäßig zweitgrößten Nachfolgestaat der Sowjetunion, mit dem Russland durch ebenso vielfältige wie enge wirtschaftliche, kulturelle und menschliche Beziehungen verbunden ist, bleibt das Vorhaben aus russischer Sicht unvollständig. Aus diesem Grund wollte die russische Führung mit aller Macht die Assoziierung der Ukraine mit der EU verhindern.

Die Proteste in Kiew begannen, nachdem der damalige Präsident Janukowitsch vor einem Jahr auf russischen Druck hin das Abkommen mit der EU nicht mehr unterzeichnen wollte. Das Ergebnis der Ereignisse seit dem Sturz Janukowitschs im Frühjahr – die Annexion der Krim, der Krieg im Osten der Ukraine – ist eine Entfremdung zwischen Russen und Ukrainern, die sich noch vor einem Jahr kaum jemand vorstellen konnte.


Georgien
Flagge Das Verhältnis Georgiens zu Russland wird bestimmt vom Konflikt um die von Georgien abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien, die Moskau nach dem russisch-georgischen Krieg im August 2008 als unabhängige Staaten anerkannt hat. Beide Gebiete hatten sich Anfang der neunziger Jahre in Kämpfen vom damals gerade unabhängig gewordenen Georgien gelöst. Die Kämpfe wurden damals unter Vermittlung Moskaus beendet, doch verhielten sich die russischen Friedenstruppen in den Jahren darauf aus georgischer Sicht nicht neutral, sondern haben die Separatisten unterstützt.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis waren deshalb schon vor dem Krieg 2008 schlecht, vor allem, seit Ende 2003 durch die „Rosenrevolution“ eine klar nach Westen orientierte Regierung unter Präsident Micheil Saakaschwili an die Macht kam. Die im Herbst 2012 gewählte Regierung versucht zwar, das Verhältnis zu Russland zu entspannen, hält aber an der grundsätzlichen Westorientierung des Landes fest. Trotz der freundlichen Signale aus Tiflis hat die russische Führung ihren Kurs gegenüber Georgien in den vergangenen Monaten wieder verschärft.


Republik Moldau
Flagge Die Regierung der Republik Moldau hat im Juni ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, das nur wenige Tage später vom Parlament in Chisinau ratifiziert wurde. Russland hat diesen Schritt scharf kritisiert, vor dessen negativen Konsequenzen es Moldau seit mehr als einem Jahr warnt.

Ein im Herbst 2013 verhängtes Einfuhrverbot für eines der wichtigsten moldauischen Exportprodukte, den Wein, sollte vermutlich den Druck erhöhen. Auch wurde von führenden russischen Politikern gedroht, eine Entscheidung für die EU könne die Ausweisung der vielen moldauischen Arbeitsmigranten aus Russland zur Folge haben, der Verdienst für viele Familien im ärmsten Land Europas lebenswichtig ist. Ein weiterer Hebel für Moskaus Einfluss auf Moldau ist der Transnistrien-Konflikt: Nach dem Ende der Sowjetunion kam es in dem überwiegend von Russen und Ukrainern besiedelten Landstreifen am linken Ufer des Dniestr zu Kämpfen zwischen transnistrischen und moldauischen Einheiten. Die Kämpfe wurden damals von der russischen Armee beendet, die bis heute dort Einheiten stationiert hat.

International wird Transnistrien nicht als eigenständiger Staat anerkannt, es wird aber von Moskau unterstützt. Die moldauische Bevölkerung ist über die Orientierung ihres Landes gespalten – laut Umfragen tritt etwa die Hälfte für eine Annäherung an die EU ein, während sich die andere Hälfte für eine Orientierung an Russland ausspricht.


Usbekistan
Flagge In Usbekistan herrscht seit dem Ende der Sowjetunion Präsident Islam Karimow, der zuvor der letzte sowjetische Parteichef in der Republik war. Sein Regime bekämpft jede Form von Opposition und Widerspruch hart. 2005 wurden bei der Niederschlagung eines Aufstands in der Stadt Andischan mehrere hundert Menschen getötet. Karimow rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass er gegen islamistische Terroristen vorgehen müsse. Wie stark islamistische Tendenzen in Usbekistan wirklich sind, ist unklar.

Die Wirtschaft des Landes ist zu einem großen Teil in den Händen der Präsidentenfamilie und einiger weniger Clans. Karimow achtet auf Distanz zu Russland – an Projekten wie der Eurasischen Union beteiligt er sich nicht.


Kasachstan
Flagge Kasachstan ist neben Weißrussland der engste Verbündete Russlands. Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew hat die Bestrebungen Russlands stets unterstützt, die Nachfolgestaaten der Sowjetunion wirtschaftlich und politisch enger zusammenzuführen, ist dabei aber sehr darauf bedacht, die Eigenständigkeit des von ihm autoritär regierten Landes zu wahren.

Etwa ein Viertel der Bewohner Kasachstans sind Russen, die überwiegend im Norden des Landes entlang der Grenze zu Russland leben. Daher wird das Vorgehen Russlands in der Ukraine von den Kasachen sehr skeptisch betrachtet, zumal der Kreml davon spricht, er habe das Recht, überall zum Schutz russischer Minderheiten überall einzugreifen.

Nach zahlreichen Äußerungen kremltreuer Politiker, Russland könne den Norden Kasachstans beanspruchen, hat Nasarbajew im Sommer mit dem Austritt aus der Eurasischen Union gedroht, falls diese die Eigenständigkeit des Landes gefährde.


Turkmenistan
Flagge Turkmenistan ist so verschlossen wie kein anderer Nachfolgestaat der Sowjetunion. Sein erster Präsident, Saparmurat Nijasow ließ sich als „Turkmenbaschi“ („Vater der Turkmenen“) verehren. Das von ihm verfasste Buch „Ruhnama“ sollte die heilige Schrift der Turkmenen sein und musste in den Schulen auswendig gelernt werden.

Gurbanguly Berdimuchamedow, der in Turkmenistan seit dem Tod des „Turkmenbaschi“ Ende 2006 herrscht, führt das Unterdrückungssystem fort. Nirgendwo sonst auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wurden auch die Rechte der russischen Minderheit so stark eingeschränkt wie in Turkmenistan. Für Moskaus Politik gegenüber dem gasreichen Wüstenstaat spielte das aber bisher keine erkennbare Rolle.


Tadschikistan
Flagge Tadschikistan ist hinter Kirgistan der ärmste Nachfolgestaat der Sowjetunion und so stark wie kein anderer von den Überweisungen tadschikischer Gastarbeiter in Russland abhängig. In den neunziger Jahren wurden in dem Land in einem fünf Jahre währenden Bürgerkrieg etwa 50.000 Menschen getötet. Nach dem Ende der Kämpfe zogen radikale Islamisten, die auf Seiten der Opposition gekämpft hatten, in das benachbarte Afghanistan zurück. Es wird befürchtet, dass der Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan dazu führen könnte, dass Tadschikistan weiter destabilisiert wird.


Kirgistan
Flagge Kirgistan hat seit 2005 zwei gewaltsame Umstürze erlebt und ist von blutigen Konflikten zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit im Süden des Landes erschüttert worden. Nach Jahren des Chaos hat sich die Lage im Land wieder beruhigt, die staatlichen Institutionen sind aber schwach und der Friede fragil.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder angekündigt, Kirgistan werde bald Gespräche über einen Beitritt zur Zollunion und nun auch zur Eurasischen Union aufnehmen. Doch trotz der grundsätzlichen Orientierung aller maßgeblichen politischen Kräfte an Russland gibt es dagegen innenpolitisch Widerspruch.


Armenien
Flagge Armenien ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch stark von Russland abhängig. Die Wirtschaft leidet darunter, dass die Türkei die Grenze zu Armenien wegen des Konflikts mit Aserbaidschan um Nagornyj Karabach geschlossen hält. Um das von Armeniern bewohnte, völkerrechtlich aber zu Aserbaidschan gehörende Gebiet gab es Anfang der neunziger Jahre einen Krieg, aus dem die Armenier als Sieger hervorgingen. Nagornyj Karabach bezeichnet sich seither als unabhängiger Staat, wird aber international nicht anerkannt.

An der Waffenstillstandslinie kommt es immer wieder zu Scharmützeln mit Toten und Verletzten. Angesichts der Aufrüstung der aserbaidschanischen Armee in den vergangenen Jahren ist aus armenischer Sicht die Anwesenheit russischer Truppen die wichtigste Sicherheitsgarantie für das Land. Armenien hatte schon ein Assoziierungsabkommen mit der EU ausgehandelt, verzichtete aber Ende 2013 auf russischen Druck auf die Unterzeichnung. Im Oktober 2014 hat Armenien einen Beitrittsvertrag mit der russisch geführten Eurasischen Union unterzeichnet.


Aserbaidschan
Flagge Aserbaidschan verfügt über große Öl- und Gasvorkommen. Ihre Ausbeutung hat in den vergangenen Jahren zu einem starken Wachstum der Wirtschaft geführt, die sich jenseits des Rohstoffsektors aber kaum entwickelt hat. Ein bedeutender Teil der Öl- und Gaseinnahmen floss in den vergangenen Jahren in die Streitkräfte. Der diktatorisch herrschende Staatspräsident Ilham Alijew droht Armenien immer wieder einer gewaltsamen Lösung des Karabach-Konflikts.

An den Folgen des Kriegs hat das Land schwer zu tragen – damals wurden etwa 700.000 Aserbaidschaner aus den an Nagornyj Karabach grenzenden Gebieten vertrieben, die seither von armenischen Truppen besetzt sind. Sicherheitspolitisch orientiert sich Alijew nach Westen, weil es in Russland die Schutzmacht der Armenier sieht, doch sind die Beziehungen zu EU und Nato gespannt, weil beide Organisationen die Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan kritisieren. Allerdings haben auch die Europäer ein großes Interesse an Aserbaidschan, weil es von großer Bedeutung für die Pläne ist, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern.


Russland
Flagge Nach Zerfall der Sowjetunion erlebte Russland in den neunziger Jahren eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs, der Bandenkriege und des Aufstiegs einer kleinen Gruppe von Oligarchen, die sich große Teile der russischen Wirtschaft aneigneten und unter Präsident Jelzin auch politisch den Ton angaben.

Unter Jelzins Nachfolger Wladimir Putin stabilisierte sich das Land. Die russische Wirtschaft erholte sich dank steigender Rohstoffpreise, was auch große Teile der Bevölkerung spürten. Die politische und in wachsendem Maße auch die wirtschaftliche Macht liegt heute in den Händen von Männern, die wie der Präsident eine Geheimdienstvergangenheit haben. Putin will Russland wieder zu einer Großmacht machen und den Einfluss Moskaus auf die Nachfolgestaaten der Sowjetunion ausbauen.

Im Mai 2014 hat er mit den Präsidenten Weißrusslands und Kasachstans, als Gegenstück zur EU, die Gründung einer Eurasische Union zum 1. Januar 2015 vereinbart, der sich inzwischen auch Armenien angeschlossen hat.


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