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Nach Parlamentswahl im Irak : Wahlsieger Sadr wirbt für breites Bündnis

Der schiitische Prediger Muqtada al Sadr Ende Dezember 2017 bei einer Rede Bild: Reuters

Der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi ist nach seiner Niederlage offenbar bereit, mit der Allianz des Wahlsiegers Muqtada al Sadr zusammenzuarbeiten. Auch der wirbt für ein Bündnis – auf Twitter.

          Der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi hat seine Wahlniederlage offenbar eingestanden, will aber seinen Posten behalten. Das Büro des schiitischen Predigers Muqtada al Sadr teilte am Dienstag mit, Abadi habe Sadr angerufen und ihm zum Sieg seiner Allianz „Sairun“ (Wir marschieren) gratuliert. Das Büro des Regierungschefs äußerte sich zunächst nicht zu der Meldung.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Abadi hatte allerdings schon am Montagabend in einer Fernsehansprache indirekt eingestanden, die Parlamentswahl verloren zu haben, und Sadr die Hand zur Zusammenarbeit gereicht. „Ich rufe die Iraker auf, die Ergebnisse der Wahl zu respektieren“, sagte Abadi. Er sei bereit zur Kooperation, um die „stärkste irakische Regierung“ aufzustellen, die frei von Korruption sein solle und unabhängig von ausländischen Mächten.

          Der Kampf gegen die überbordende Korruption und ein starker irakischer Nationalismus stehen im Zentrum des Programms der von Sadr angeführten Allianz, zu der die Kommunistische Partei und andere säkulare, liberale Kräfte zählen. Das Bündnis verlangt eine Regierung von Technokraten, in der Posten nach Fähigkeit und nicht nach Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe oder nach politischen Loyalitäten vergeben werden. Die Allianz profitierte vom Verdruss der Bevölkerung über die herrschenden Eliten.

          Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission hat die „Sairun“-Liste die meisten Stimmen erhalten. Zweitstärkste Kraft wurde demnach die Allianz „Fateh“ (Eroberung) unter der Führung Hadi Ameris, eines irantreuen Milizenführers aus den Reihen der „Volksmobilisierung“ (Al Haschd al Schaabi) gegen den „Islamischen Staat“. Abadis Bündnis, das sich „Nasr“ (Sieg) nennt, belegte demnach nur den dritten Rang. Das endgültige Ergebnis steht noch aus und es ist auch noch nicht klar, wie viele Sitze jede der Wahlallianzen erhält. Es ist indes sicher, dass eine zukünftige Regierungskoalition mehrere Partner umfassen muss.

          Sadr ist gegen eine Einflussnahme Irans

          Sadr verbreitete am Dienstag über Twitter eine Botschaft, die sich leicht als Werbung für ein breites Bündnis interpretieren ließ – ebenso als Ankündigung, dass er zur Zusammenarbeit mit Abadi bereit wäre. Die Botschaft war ein Wortspiel, gespickt mit den Namen eines Dutzends verschiedener Listen, die Sadr offenbar als mögliche Partner ansieht. Auch Abadis Liste wurde darin gewürdigt. Die als Stellvertreter Irans bekannten Kräfte blieben unerwähnt; dazu zählt neben Ameris Allianz auch jene des früheren Ministerpräsidenten Nuri al Maliki.

          Sadr war in den Jahren nach dem Sturz Saddam Husseins ein berüchtigter Milizenführer, dessen Kämpfer Sunniten grausam ermordeten und sich mit den amerikanischen Besatzern einen blutigen Krieg lieferten. Vor gut zwei Jahren setzte sich Sadr an die Spitze einer Protestbewegung gegen die korrupten Eliten. Aus seinem Lager drangen zuletzt etwas konziliantere Töne, was die Vereinigten Staaten betrifft.

          Sadr gilt als scharfer Gegner iranischer Einflussnahme. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran sprach mit Blick auf die Wahl von einen Sieg der Demokratie über den Terrorismus und kündigte an, Iran werde den demokratischen Prozess im Irak unterstützen. Den Erfolg Sadrs kommentierte er nicht.

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