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Parlamentswahl in Spanien : Was wählen „Feminazis“?

Demonstration am Internationalen Frauentag am 8. März in Barcelona Bild: AFP

Gerade noch rechtzeitig zu den Parlamentswahlen haben die spanischen Parteien ihre feministischen Standpunkte entdeckt. Der Streit um die Gleichberechtigung spaltet die Nation – in welchem Land wollen Spaniens Frauen künftig leben?

          5 Min.

          Als die Parteien am Freitag in Madrid ihre Kampagnen mit Veranstaltungen beendeten, die Wahlpartys glichen, stand Carmen Calvo, Vizepräsidentin und Ministerin für Gleichberechtigung der PSOE-Regierung, in Vallecas, dem Heimatbezirk der Sozialisten, auf der Bühne und widmete das Ereignis „allen Frauen im Land“. Keiner der Kandidaten, die am Sonntag zur Wahl antreten, könne den Frauen vorschreiben, wie sie zu sein hätten, rief Calvo, eine kleine Frau mit strengem Blick, und bekam dafür sehr langen Applaus. Acht Kilometer weiter nördlich stand Rocío Monasterio, Kandidatin der rechtspopulistischen Partei Vox, in einem weißen Blazer vor einem Heer von spanischen Flaggen und lächelte gütig. Auch sie wandte sich an die Frauen. „Wir sagen dem radikalen Feminismus den Kampf an“, rief sie und versprach ein Familienministerium, das seinen Namen verdiene. Als lebten die beiden Frauen in zwei verschiedenen Ländern.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Im Wahlkampf wurden die nationalen Konflikte verhandelt, die das Votum der Spanier am Sonntag bestimmen dürften: die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, die Einwanderungspolitik der sozialistischen Partei PSOE, der Populismus. Hin und wieder auch: der Streit um die Gleichberechtigung. Die spanischen Frauenbewegungen haben dafür gesorgt, dass die Parteien das Thema bei diesen Wahlen nicht übersehen konnten und durften. Der Feminismus hat in Spanien eine starke Basis, die Erinnerung an die Franco-Herrschaft, in der Frauen nahezu unsichtbar waren, ist noch lebendig. Als zum Frauentag am 8. März dieses Jahres Zehntausende auf die Straße gingen, um gegen Gewalt, das Lohngefälle und den verbreiteten „Mikromachismus“, ein Erbe aus diktatorischen Zeiten, zu demonstrieren, als sich Gewerkschaften und Medienbetriebe anschlossen und die Bilder um die Welt gingen, begannen einiger Spanier, sich Sorgen zu machen.

          Seitdem haben Zeitungen wie „El Pais“ Gleichstellungsbeauftragte eingesetzt und den Themen der Frauenbewegung mehr Raum gegeben. An Straßenecken und in Cafés hängen Plakate mit Notrufnummern für Frauen und in Madrid werden Flyer verteilt, die Frauen zum Wählen aufrufen – mit dem Hinweis, die 50 im vergangenen Jahr durch geschlechtsspezifische Gewalt Getöteten könnten nicht mehr abstimmen. Und die Parteien haben im Wahlkampf alles getan, um die Frauen, 51 Prozent der Wähler, von ihrer Mission im Dienste der Gleichberechtigung zur überzeugen.

          Ministerpräsident Pedro Sánchez am Sonntag bei seiner Stimmabgabe in Pozuelo De Alarcon

          Die sozialistische PSOE, die seit ihrem Regierungsantritt wichtige Ministerien mit Frauen besetzt hat, sieht sich als Vertreter des spanischen Feminismus. Omar Anguita, Vorsitzender der jungen Sozialisten, sagt: „Wenn du in diesem Land jung und weiblich bist, hast du gleich zwei Probleme.“ Der Feminismus müsse in alle Lebensbereiche dringen. Als Ministerpräsident Pedro Sánchez, der sich selbst zum Missfallen vieler Aktivistinnen als Feminist bezeichnet, in dieser Woche den Mord an einer deutschen Frau und ihrem Sohn in Teneriffa als Fall von Gender-Gewalt verurteilte, benutzte er die Formulierung „Keinen Schritt zurück“ – eine Forderung der Frauenbewegung.

          Die linksalternative Podemos-Bewegung hat sich nach der Fusion mit den Sozialisten der Izquierda Unida sogar den (weiblichen) Namen Unidas Podemos gegeben. Kurz vor der Demonstration zum Frauentag bemerkte auch die rechtsliberale Ciudadanos-Partei ihre fehlende Vision für die spanischen Frauen und legte einen feministischen Dekalog vor, in dem vage Forderungen wie „Keine Frau soll zwischen ihrer Karriere und der Familie wählen müssen“ stehen. Allein der Partido Popular (PP) fiel bei dem Wettstreit um die Gunst der Frauen nichts Öffentlichkeitswirksames ein. Von der Überzeugung, über das Lohngefälle müsse nicht verhandelt werden, weil es ohnehin illegal sei, kamen die Konservativen im vergangenen Jahr allerdings ab.

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          22. April, es ist der Montag vor der Wahl: Im Studio des öffentlich-rechtlichen Fernsehens stehen vier Männer vor den Kameras: Pablo Casado, Pablo Iglesias, Albert Rivera und Pedro Sánchez, die Kandidaten der großen Parteien. Die Debatte soll gleich beginnen, noch werden ihnen die Gesichter gepudert. Die einzige Frau im Raum wischt den Boden des Fernsehstudios.

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