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Ausschreitungen in Paris : Tage des Zorns

Demonstranten in Paris zwischen Bränden und umgestoßenen Straßensperren Bild: AFP

In Paris ist die Demonstration der „Gelbwesten“ am Samstag eskaliert, Randalierer lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Präsident Macron nennt die Gewalt beschämend – doch er trifft den richtigen Ton nicht mehr.

          Emmanuel Macron spricht von „Schande“ und er meint die Bilder von Verwüstung und Zerstörungswut, die von Paris aus um die Welt gingen. Brennende Barrikaden auf den Champs-Elysées, ein in Tränengasschwaden gehüllter Triumphbogen und dazwischen größtenteils gewaltbereite Demonstranten, die Pflastersteine, Flaschen und andere Gegenstände auf Polizisten werfen: die französische Hauptstadt hat einen schwarzen Samstag erlebt. „Dank unseren Ordnungshütern für ihren Mut und ihre Professionalität.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Schande über jene, die sie angegriffen haben“, twitterte der junge Präsident. Es ist bezeichnend, dass der 40 Jahre alte Staatschef persönlich die Vorfälle kommentiert, die im Kontrast zu seinem Wahlversprechen eines versöhnten und modernisierten Frankreichs stehen. Zwischen dem Präsidenten und dem wütenden Volk der „Gelbwesten“ scheint es keine Mittler, keine Kontrollinstanzen der Republik mehr zu geben.

          So muss er selbst seine Empörung mitteilen, während seine Unterstützer eigenartig verstummt wirkten. „Schande über jene, die andere Bürger und Journalisten brutalisiert haben. Schande über jene, die Volksvertreter einzuschüchtern versucht haben. In der Republik gibt es keinen Platz für derartige Gewalttätigkeiten“, schrieb Macron.

          Dialog zwischen Präsident und Franzosen gestört

          Seit seinem Amtsantritt im Mai 2017 hatte der junge Präsident sich bemüht, ein erneuertes Frankreich im Glanz der Hauptstadt in Szene zu setzen. Auf den Champs-Elysées begann seine Amtszeit mit einer Fahrt im offenen Militärjeep zum Triumphbogen unter dem Jubel der Schaulustigen. Auf den Champs-Elysées wiederum versammelten sich vor knapp einem Jahr, am 9. Dezember, die Massen, um der verstorbenen Sänger-Ikone Johnny Hallyday die letzte Ehre zu erweisen.

          Der Trauerzug, der von einer Eskorte von Harley-Davidson-Motorrädern angeführt wurde, vereinte Franzosen unterschiedlichster sozialer Herkunft. „Johnny“ war vor allem ein Sänger der einfachen Leute gewesen. Damals noch traf der Präsident den richtigen Ton in seiner kurzen Ansprache, er wirkte, als verstehe er, was die Mehrheit seiner Landsleute empfand.

          Doch inzwischen ist der Dialog zwischen dem Präsidenten und vielen Franzosen gestört. Schon nach dem Weltmeistertitel der „Bleus“, als die Fans stundenlang auf den Champs-Elysées ausharrten, kam es zu einer Entfremdung. Der Bus mit den Nationalspielern musste im Eiltempo die Prachtavenue hinunterfahren, um pünktlich zu den Abendnachrichten beim Präsidenten zu erscheinen.

          Aufstand der Mittelschicht

          Die Massen waren zutiefst enttäuscht. Wie ein böses Omen wirkt rückblickend die Tatsache, dass der prügelnde Sicherheitsmann Alexandre Benalla damals die Regie führte. Mit der Affäre Benalla begann im Sommer der scheinbar unaufhaltsame Beliebtheitseinbruch Macrons.

          Inzwischen wird er sogar weniger geschätzt als seinerzeit sein Vorgänger François Hollande. 77 Prozent gaben in einer jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Odoxa an, dass sie die Proteste der „Gelbwesten“ in Paris am Samstag unterstützten. Aber können annähernd acht von zehn Franzosen wirklich gewollt haben, dass die Proteste in blinde Gewalt ausarteten?

          In anderen Landesteilen ging es friedlicher zu. Mehr als 100.000 „Gelbwesten“ demonstrierten nach der offiziellen Schätzung des Innenministers, errichteten Straßensperren oder besetzten Mautstationen an den Autobahnen, um allen Autofahrern eine mautfreie Durchfahrt zu ermöglichen. Die Odoxa-Umfrage belegte zugleich, dass es sich tatsächlich um einen Aufstand der Mittelschicht handelt.

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