https://www.faz.net/-gpf-a27tp

Papua-Neuguinea : Baute Huawei im Pazifik ein Eingangstor für Spionage?

Spionage-Kumpan? Ein Foto des Huawei-Logos in der chinesischen Provinz Guangdong Bild: AFP

In einem vom chinesischen Technologiekonzern Huawei eingerichteten Datenzentrum der Regierung in Papua-Neuguinea gab es offenbar eklatante Sicherheitslücken. Fachleute in Australien gehen davon aus, dass das Absicht war.

          3 Min.

          Der chinesische Technologiekonzern Huawei steht schon lange im Verdacht, für chinesische Spionagezwecke genutzt werden zu können. Huawei selbst hat dies immer bestritten. Konkrete Beweise gab es bislang auch nicht. Nun aber hat eine Zeitung in Australien Hinweise gefunden, dass ein von Huawei errichtetes Datenzentrum der Regierung in Papua-Neuguinea von vorneherein durch eklatante Sicherheitslücken angreifbar gewesen war. Die Zeitung berief sich auf einen Bericht über chinesische Spionageaktivitäten in dem südpazifischen Inselstaat, der auch der australischen Regierung vorliege. In dem 65 Seiten langen Bericht heißt es demnach, die tatsächliche Ausführung des Datenzentrums in der Hauptstadt Port Moresby habe nicht mit dem ursprünglichen Plan übereingestimmt. Dadurch seien schwere Sicherheitslücken entstanden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Explosiv wird diese Enthüllung vor allem dadurch, dass es sich bei den Sicherheitsmängeln laut der Darstellung offenbar nicht um eine Versehen gehandelt habe. „Der Bericht legt einerseits nahe, dass es einen absichtlichen Versuch Huaweis gab, laxe Cybersicherheit anzuwenden, dieser Plan aber dadurch vereitelt wurde, dass das Zentrum schnell verwahrloste, da nicht genug Geld für Instandhaltung und Betrieb zur Verfügung stand“, hieß es am Dienstag in der „Australian Financial Review“. Demzufolge hatte es in dem Datenzentrum etwa an digitalen Schutzeinrichtungen wie Firewalls gefehlt. Zudem seien Verschlüsselungsalgorithmen schon vor Eröffnung des Datenzentrums nicht mehr sicher gewesen. Diese Sicherheitslücken hätten dazu geführt, dass ein Hackerangriff von außen nicht bemerkt worden wäre.

          Der schlechte Zustand des Datenzentrums hätte dem Bericht zufolge dazu geführt, dass nur eine Handvoll Regierungsbehörden ihre Daten dorthin transferiert hätten. Das Datenzentrum war mit einem Kredit 53 über Millionen Dollar der chinesischen Entwicklungsbank Exim Bank gebaut worden. Es war im Jahr 2018 in Betrieb genommen worden, als das Land als Gastgeber für den damaligen Gipfel der Apec-Staaten in Erscheinung getreten war. Aufgrund der fehlenden Mittel seien aber schnell Softwarelizenzen ausgelaufen und nicht mehr funktionstüchtige Batterien nicht mehr ersetzt worden. In einer Stellungnahme des Technologiekonzerns an die Zeitung hieß es demnach allerdings, das Projekt erfülle „die entsprechenden Industriestandards und die Anforderungen des Kunden“.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Der Verfasser des dem Zeitungsbericht zugrundeliegenden Reports ist ein Vertragsunternehmen für Datensicherheit. Als Auftraggeber fungierte das National „Cyber Security Centre“ der Regierung Papua-Neuguineas. Diese Behörde war geschaffen worden, um Hackerangriffe insbesondere während des Apec-Gipfels abzuwehren. Das Geld dafür stammte von den Regierungen des Pazifikstaats und Australiens. Der Bericht sei in Auftrag gegeben worden, nachdem die Regierung in Port Moresby Australien auch nach finanzieller Hilfe für das nicht funktionierende Datenzentrum gebeten habe. Der Zeitung zufolge hat die australische Regierung es abgelehnt, die Einrichtung zu unterstützen. Ihr zufolge sei ein kompletter Neubau notwendig.

          Sorge vor Chinas Aktivitäten im Südpazifik

          Der arme Inselstaat sei nun mit zusätzlichen 53 Millionen Dollar Schulden und einem nutzlosen Datenzentrum geschlagen, berichtete die Zeitung weiter. Australien beobachtet das chinesische Engagement im Südpazifik schon seit einiger Zeit mit Argwohn. Es fürchtet, dass einige der Länder in eine Schuldenfalle getrieben werden. Schon jetzt ist China nach Australien der größte Geldgeber in Ozeanien. Einem Bericht des „Australian Strategic Policy Institute“ zufolge hat China allein Papua-Neuguinea 147 Millionen Dollar für digitale Projekte zur Verfügung gestellt, darunter das nationale Datenzentrum, ein Breitbandnetzwerk und einen biometrischen Ausweis.

          Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence hatte bei dem Apec-Gipfel in Port Morseby im Jahr 2018 davor gewarnt, dass die Staaten in einem „Meer aus Schulden“ ertränkt würden. China hat den Südpazifik zum erweiterten Teil seiner „Neuen Seidenstraße“ erklärt und verfolgt dort auch militärische Interessen. Im Zuge des chinesischen Engagements hat  Australien seine Beziehungen zu den pazifischen Inselstaaten gestärkt. Die Beziehungen zwischen Australien und China sind dagegen seit einiger Zeit gestört. Australien hatte als eines der ersten Länder Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes ausgeschlossen und eine unabhängige Untersuchung der Covid-19-Pandemie gefordert. Die Führung in Peking hat darauf mit wirtschaftlichen und diplomatischen Strafmaßnahmen reagiert.

          Weitere Themen

          Amerika kündigt Verbot von Tiktok und Wechat an

          Streit mit China : Amerika kündigt Verbot von Tiktok und Wechat an

          Die amerikanische Regierung will ihre Drohung wahr machen und Tiktok und Wechat verbieten. Damit platzt sie mitten in die Verhandlungen um eine Übernahme von Tiktok. Ist das Verhandlungstaktik? Und wie reagiert China?

          Sauber auf Sternensuche

          Klimaschutz : Sauber auf Sternensuche

          Wie klimafreundlich arbeiten Astronomen? Ein Berufsstand diskutiert, wie er mehr zur Nachhaltigkeit beitragen und die unerwünschten Folgen des Klimawandels für die eigene Forschung abfedern kann.

          Topmeldungen

          Ruth Bader Ginsburg

          Amerikas Supreme Court : Ikone liberaler Rechtsprechung gestorben

          Sie war wohl die bekannteste Richterin der Vereinigten Staaten. Nun ist Ruth Bader Ginsburg gestorben. Präsident Trump bekommt damit die Chance, zum dritten Mal einen Richter für den Supreme Court zu nominieren.
          „Ich freue mich trotzdem“: Michael Leichtfuß geht zum Spiel der Eintracht, wenn auch ohne Freunde.

          Eintracht Frankfurt-Auftakt : Alle oder keiner?

          Unter den Fans der Eintracht gibt es vor dem ersten Heimspiel der Eintracht Diskussionen über die Rückkehr ins Stadion. Denn viele haben mit Fußballspielen, zu denen nur ein Teil der Zuschauer zugelassen werden, ein Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.