https://www.faz.net/-gpf-12jaj

Papstreise nach Israel : Am Ende der Aufregung

Trotz der jüngsten Entspannung wird es aber keine einfache Reise werden, denn die Erwartungen sind groß und die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan waren nie einfach. Das wird sich schon an diesem Montag in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zeigen. Nur 45 Minuten lang wird sich Benedikt an diesem Montag dort aufhalten. Was er aber dort sagt und tut, könnte für viele in Israel wie im Ausland entscheidend dafür sein, wie sie seine ganze Reise in Erinnerung behalten werden. Denn in Israel wissen zwar viele nicht, wie der Papst heißt, aber dass er aus Deutschland kommt und in der Hitlerjugend war, ist den meisten bekannt.

So hatten es mehrere Holocaust-Überlebende abgelehnt, ihm in Yad Vashem die Hände zu schütteln. „Es ist unmöglich zu behaupten, dass diese Dinge keinen Einfluss haben“, sagt der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Avner Shalev. Er hofft aber, dass Benedikts Reise dazu beiträgt, „Kontroversen zu klären“ Wie vielschichtig das Verhältnis vieler israelischer Juden zum Christentum bis heute ist, zeigte eine Umfrage, die das Jerusalemer Zentrum für christlich-jüdische Beziehungen im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte.

Eine Reise auch für die Christen in Israel

Demnach halten 41 Prozent der (jüdischen) Befragten das Christentum für eine „götzendienerische Religion“. Auf die Frage, ob sie sich dem Christentum oder dem Islam näher fühlen, geben jedoch deutlich mehr Befragte dem Christentum den Vorzug vor dem Islam. Ähnlich widersprüchlich sind andere Aussagen: Während mehr als 70 Prozent Religionsfreiheit als ein schützenswertes Gut bezeichnen, sind 75 Prozent dagegen, dass der israelische Staat Christen erlaubt, in Jerusalem Grundstücke zu kaufen und Kirchen zu errichten.

Doch der Papst besucht nicht nur die jüdische Mehrheit in Israel. Er will mit seiner Pilgerreise auch die bedrängte christliche Minderheit in Israel und den Palästinensergebieten stärken. Und die erwartet von ihm, dass er sich auch zu ihrer Lage äußert: Zu israelischer Besetzung, der Sperranlage, von der sich vor allem die Christen in Bethlehem stranguliert sehen, und zu ihren Hoffnungen auf einen eigenen Staat. „Es wird ein schwieriger Balanceakt“, sagt David Rossing voraus, der das Jerusalemer Zentrum für christlich-jüdische Beziehungen leitet. Denn selbst, wenn der Papst es vorziehe zu schweigen, werde das genau registriert.

Wer profitiert stärker vom Besuch Benedikts?

So fürchten viele Christen, dass Israel vom Besuch Benedikts stärker profitiert, der für sie zu früh nach dem Gaza-Krieg mit seinen mehr als tausend Toten kommt. „In dieser Region ist nie Frieden. Soll man warten, bis der Palästina-Konflikt beigelegt ist? Ich fürchte, zwei oder drei Oberhirten werden sterben, bis es eine endgültige Lösung gibt“, sagt der lateinische Patriarch Fuad Twal, das Oberhaupt der römisch-katholischen Christen in Israel, den Palästinensergebieten und Jordanien.

Er hatte sich für den Besuch im Mai eingesetzt, auch wenn er sich selbst nicht ganz sicher ist, welche längerfristigen Auswirkungen die Reise haben wird. Sehr offen schilderte er in der vergangenen Woche in der Zeitung „Haaretz“ sein persönliches Dilemma: „Ein Wort zugunsten der Muslime, und ich bin in Schwierigkeiten; ein Wort zugunsten der Juden, und ich bin Schwierigkeiten. Am Ende des Besuchs wird der Papst nach Rom zurückkehren und mir bleiben hier die Folgen.“

Weitere Themen

Die unsichtbare Frontlinie

Corona und die Religionen : Die unsichtbare Frontlinie

Staatstragenden Religionsgemeinschaften fällt es besonders schwer, Gotteshäuser zu schließen. Doch jetzt bezeichnet selbst Putins Beichtvater die Selbstisolation als heilige Christenpflicht im Weltkrieg gegen die Krankheit.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.