https://www.faz.net/-gpf-8u526

Rom : Papstkritische Plakate aufgetaucht

  • Aktualisiert am

Überall in Rom wurden am Samstag Plakate gegen Papst Franziskus aufgehängt. Bild: AP

Unbekannte haben in der italienischen Hauptstadt Dutzende Plakate aufgehängt, auf denen Papst Franziskus kritisiert wird. Einen Hinweis auf die Urheber gibt es nicht, aber einen Verdacht.

          2 Min.

          In Rom sind am Samstag Dutzende papstkritische Plakate aufgetaucht. Auf ihnen ist Papst Franziskus abgebildet, mit einem besonders düsteren Gesichtsausdruck. Unter dem Bild steht in römischem Dialekt: „Franziskus, du hast Kongregationen unter kommissarische Leitung gestellt, Priester entlassen, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata enthauptet, Kardinäle ignoriert, aber wo bleibt deine Barmherzigkeit?“ Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA waren die professionell gedruckten Plakate über die ganze italienische Hauptstadt verteilt worden.

          Auf den Postern sind weder Namen noch Symbole abgebildet, der oder die Urheber der Aktion blieben zunächst unbekannt. Beobachter vermuten dahinter aber konservative kirchliche Kreise. Am Nachmittag inspizierten Zivilpolizisten die Poster, kurz darauf wurde eins nach dem anderen von der Stadtreinigung an der Piazza del Risorgimento entfernt. „Wir entfernen sie, weil sie widerrechtlich aufgehängt wurden“, sagte einer der Beamten.

          Franziskus, dessen zentrale Botschaft die Barmherzigkeit ist, sieht sich wegen seines Reformkurses wachsendem Widerstand in den eigenen Reihen gegenüber. Italienische Medien spekulierten, dass die anonymen Poster dem konservativen Spektrum in der Kurie zuzuordnen seien. Der 2013 zum Papst gewählte Jesuit treibt den interreligiösen Dialog voran, lobt die Reformation und greift Themen wie die Sexualmoral der Kirche auf.

          Manifest wurde die Kritik am Papst in einem offenen Brief vierer Kardinäle zu dessen Schreiben über Familie und Liebe, „Amoris Laetitia“, in dem sie vom Pontifex mehr Klarheit zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen forderten.

          Es ist das erste Mal seit dem Amtsantritt von Franziskus im März 2013, dass solche Plakate in Rom auftauchen. 2014 sorgte ein Graffito in der Nähe des Vatikan für Aufsehen, das den Papst in Superman-Pose zeigte.

          Anderer Fall, ähnliche Plakate

          Allerdings waren Anfang Januar schon einmal ähnliche Plakate in Roms Straßen zu sehen gewesen, die sich mit der italienischen Bildungsministerin Valeria Fedeli auseinandersetzten, schreibt die italienische Zeitung „Il Messaggero“. Auf ihnen stand unter einem Bild der Ministerin: „Um Lehrer zu werden braucht man: einen Hochschulabschluss, einen Lehrbefähigung und Erfolg im Auswahlverfahren. Um Bildungsministerin zu werden braucht man: den Abschluss der achten Klasse, Freundschaften und viele Lügen“.

          Fedeli war in die Kritik geraten, weil sie in ihrem Lebenslauf einen Studienabschluss in Sozialwissenschaften angegeben hatte, obwohl sie lediglich eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin gemacht hatte. Auch im Fall dieser Plakate konnten der oder die Urheber bislang nicht ermittelt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Debakel des DFB : Der „Fall Özil“ und ein langer Schatten

          Für Integration und gegen Rassismus und Diskriminierung? Der „Fall Özil“ vor zwei Jahren war für den DFB der Reality-Check. Das Debakel wurde vollständig verdrängt – und ist bis heute nicht aufgearbeitet.
          Handwerker installieren Solarmodule auf dem Dach: Kann die Vision der autarken und unbegrenzten Energieversorgung Wirklichkeit werden?

          Photovoltaik in Deutschland : Auferstanden aus Ruinen

          Nach Jahren der Krise fasst die Solarbranche in Deutschland wieder Mut. Ein Energieberater erklärt, was es von A bis Z alles zu beachten gilt – und nicht nur in Dresden leben alte Träume fort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.